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Anmerkungen Juli 18, 2006, 14:03

Posted by Lila in Land und Leute.
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Was mir so durch den Kopf geht.

1. Es ist sehr sinnvoll, daß die Medien nicht sofort genau durchgeben, wo eine Rakete gefallen ist. Sonst macht sich ein harmloser Journalist zum Helfer der Hisbollah. “So, südliches Hadar? Dann müssen wir wohl ein bißchen mehr links halten…” Darum besser nichts Genaues sagen, obwohl wir alle wissen wollen, ob das nun genau da ist, wo die Eltern von D. wohnen. Ebenfalls ist es sinnvoll, nicht großartig anzukündigen, daß die Bewohner von Nahariya nun eine Bunkerpause kriegen, um Einkäufe zu erledigen. Die Hisbollah wäre ja dumm, das nicht als Einladung zu verstehen - und sofort Nahariya aufs Korn zu nehmen. Desgleichen ist es überflüssig, groß anzukündigen, wo die Luftwaffe nächste Nacht hinzielt - so ein nun-mem-Abwehrkommando ist mobil und kann sich gut darauf einrichten. Diese militärische Zensur, die so wichtigtuerisch und überflüssig aussieht, hat also ihre sinnvollen Gründe.

2. Hut ab vor MaDa (Magen David Adom, der Rote Davidsstern) und den anderen Rettungsdiensten. Sie sind in Windeseile an jedem Ort. Klar, durch die jahrelangen Anschläge sind diese Dienste sehr routiniert und tüchtig. Ich frage mich manchmal, ob besonders die Palästinenser nicht auch so viele Verluste haben, weil sie ihre Verletzten so absolut amateurhaft und brutal ins Krankenhaus schaffen. Man sieht ja immer wieder, wie sie ihre Verletzten “retten” - es sieht vielleicht malerisch aus, aber sie hätten ein bißchen von dem vielen Geld, das sie erhalten haben, in tüchtige Rettungsdienste investieren können. Der Konflikt zieht sich lange genug hin, daß sie da wirklich Kräfte hätten reinstecken sollen - so wie wir es gemacht hatten. Das rettet wirklich Menschenleben. Daß es im Libanon nicht so gut klappt, kann ich sehr gut verstehen - schließlich trifft dieser Konflikt den Libanon völlig unvorbereitet. Aber wie wichtig gute Rettungskräfte und Krankenhäuser sind, das ist kaum zu überschätzen. Es senkt die Opferzahlen.

3. Als wir die Bilder aus Beirut sahen, meinte Y., der mich am Ende seiner Mittagspause für ein gemeinsames Täßchen Kaffee besuchen kam: “Beirut kehrt in die 70er Jahre zurück. Ist das traurig zu sehen. Ach, ist das traurig”. Das fühle ich auch.
4. Es hat mir gestern  in den Fingern gejuckt, die pro-israelischen Demonstrationen in Rom und New York (mir stiegen beim Anblick die Tränen in die Augen, danke! ihr lieben Demonstranten) mit den pro-menschlichen in Tel Aviv und den anti-israelischen Demonstrationen wie in Berlin zu vergleichen. Von der Atmosphäre, den Schlagworten, der allgemeinen Haltung dahinter. Ich hab mir das am Ende aber nicht angetan. Die Palästinenser haben das Recht, in Deutschland zu demonstrieren, das ist auch gut so. Daß sie diese Freiheit dazu nutzen, uns den Tod zu wünschen, paßt nur allzusehr zu ihrer generellen Linie - sie wünschen uns den Tod stärker, als sie sich selbst ein friedliches, schönes Leben wünschen. Wenn ich solche Schreierein höre, kommt es mir manchmal wie eine Krankheit vor, wie ein Mensch, der so besessen ist von einer Idee, daß er bereit ist, sich selbst um Gesundheit und Leben dafür zu bringen. Ja, Ihr könnt ruhig sagen, daß das aber eine arrogante Haltung ist. Aber so sehen sie mir nun mal aus, wenn ich sie durch Berlin marschieren sehe und die meisten Plakate uns den Tod wünschen, statt Frieden der ganzen Gegend - so wie das die Plakate in Tel Aviv taten. (Hm, hab ich doch mehr drüber geschrieben, als ich wollte!)

5. Ich suche jetzt mal nicht nach Links und Bildern, sondern wende mich wieder der Arbeit zu.

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