Secundus freut sich November 25, 2009, 23:13
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Es ist einfach zu nett, mit Secundus Fußball zu gucken. Ich sitze dabei und arbeite, er fiebert, wenn Bayern spielt. Auch wenn es gegen Haifa geht – er hält Daumen für seine Mannschaft. Er ist ein treuer Fan und ärgert sich über seine Freunde, die immer zum jeweiligen Champion halten. Er schreibt sogar eine kleine Forschungsarbeit in Psychologie über Fanverhalten, Loyalität oder Wankelmütigkeit bei Mißerfolg und die jeweilige Motivation und kann sich schön darüber ärgern. Gutwetter-Fans sind für ihn keine Fans. Er würde seinen Bayern treu bleiben, egal wie tief sie in der Krise stecken.
Ich bin ja eigentlich immer für Underdogs, und deswegen mehr auf Haifas Seite. Allerdings bin ich auch in Deutschland aufgewachsen und kenne die Bayern nur als die arroganten Sieger – für Secundus war es immer eine harte Option, Bayernfan zu sein. Außer ihm ist nur noch ein Schüler an seiner Schule für die Bayern. Wir reagieren also genau umgekehrt – wenn die Bayern stürmen, freut sich Secundus und ich seufze, wenn Haifa, dann brummt er und ich rufe: nu, kadima! Immerhin, nach dem Tor der Bayern konnte man sehen, daß ihnen ein ziemlicher Stein vom Herzen fiel. Das Ausmaß dieses Steins nehme ich jetzt als Kompliment für Haifa, auch wenn die Aufstiegschancen vielleicht eine größere Rolle gespielt haben.
Na, das Spiel ist noch nicht zu Ende. Secundus hofft auf einen Treffer Schweinsteigers, ich auf einen von Haifa. Dann darf ich aber nicht triumphieren… Diskretion, Diskretion.
Meine Theorie zum Shalit-Deal November 24, 2009, 17:26
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Tatsächlich hakt es an Marwan Bargouti. Israel will ihn freilassen, die Hamas ist dagegen.
Ich hab schon unwahrscheinlichere Thesen zum Thema Nahost gehört…
Hätt ich nur mehr Zeit! November 20, 2009, 21:36
Posted by Lila in Kibbutz, Kinder, Katzen.12 comments
Dann würde ich gern in aller Ausführlichkeit von einem faszinierenden Studientag erzählen, an dem ich gestern teilgenommen habe. Ich habe ja jahrelang hochbegabte Jugendliche unterrichtet, in verschiedenen Programmen, und das hab ich seit einem halben Jahr aufgegeben… aber ich unterrichte einen Kurs in einem in-service-Weiterbildungsprogramm für Lehrer, die sich auf Hochbegabung spezialisieren.
Zwei Drittel der Teilnehmer des Kurses sind Araber, weswegen der Studientag so spannend war – der eingeladene Referent ist ein Professor aus Jordanien, Vorreiter der Arbeit mit Hochbegabten in der arabischen Welt und nicht nur dort, und außerdem ein hochinteressanter Vortragender. Die Diskussion hinterher war mehr als faszinierend, ach, ich hätte das am liebsten alles gefilmt und direkt bei Youtube reingestellt! Da der ganze Tag auf Englisch ablief, wäre das auch gar kein Problem gewesen. Jedenfalls blubbert es in meinem Kopf noch von dem Vortrag, und ich werde meinen Kurs umstrukturieren… hab da ein paar Ideen… leider nicht genug Zeit.
Wir werden das neue Haus im Norden, das Übergangshaus für die nächsten anderthalb Jahre, vermutlich Mitte Dezember beziehen – Chanukka wollen wir schon dort feiern. Bis dahin liegen vor mir Gebirge von Aufgaben, die wir bewältigen müssen – Lösungen für die Kinder, der Umzug… Gott sei Dank, der bürokratische Kram mit dem Kibbuz ist friedlich und fair über die Bühne gegangen. Die Abfindungssumme ist nicht gigantisch, was wir auch nicht erwartet haben, aber angemessen und genug, um ein neues Leben solide zu beginnen.
Für Kibbuz-Nostalgie ist aber kein Anlaß. Nicht wir verlassen den Kibbuz, sondern der Kibbuz hat uns verlassen – mit der Abstimmung vor zwei Jahren und dem „shinui“. Außerdem bauen wir unser neues Haus auch in einem Kibbuz bzw an dessen Rand, und wir haben die Option, uns dort mehr oder weniger, ganz nach Gusto, zu integrieren. Die Mädchen werden auf Kibbuz-Schulen gehen, und Quarta wird ab Dezember in einem anderen Kibbuz die Nachmittagsbetreuung in Anspruch nehmen, so wie bis jetzt hier. Die Leute, die uns dort umgeben, werden zu einem Großteil Kibbuz-Abwanderer sein – mit den typischen Kibbuznik-Eigenschaften, die ich ja sehr schätze.
Und Y., der 46 Jahre lang in diesem Kibbuz zugebracht hat, wo sein Vater geboren ist, seine Großeltern begraben liegen und jeder Baum und Strauch ihm eine Geschichte erzählt – der ist begierig auf mal was anderes. Seine Mutter und sein Bruder bleiben ja hier, wir werden oft zu Besuch kommen, und innere Landschaften und Erlebnisse verliert man nicht. Der Kibbuz, der mal war – den vermissen wir auch, wenn es um uns herum noch so aussieht wie vor 10 oder 20 Jahren.
Wir haben ernsthaft erwogen, in einen Kibbuz der alten Art umzusiedeln, aber mehrere Gründe haben uns davon abgehalten. Erstens würden wir dann vermutlich zu den typischen kutern der Sorte „bei uns im Kibbuz wird das aber sooo gehandhabt“ mutieren, wie so viele Menschen, die sich an minimalen Unterschieden reiben… während sie mit großen Umwälzungen gut zurechtkommen. Zweitens: wer garantiert uns, daß der Privatisierungs-Virus nicht auch den Kibbuz unserer Wahl befällt? Nur wären wir dann zu alt für einen weiteren Wechsel.
Wir fahren morgen erst unseren Primus besuchen, dann das Übergangshaus angucken, mit den Kindern. Jeder soll sich schon mal ein Zimmer aussuchen, damit wir die Zimmer nummerieren und die Kisten beschriften können… oh bibber. Haltet Ihr mir das Händchen, wenn es ans Packen geht? Ich guck mir die Plörren um mich herum an und will alles, alles wegschmeißen…
Der Vater, der Sohn und der Geist der Freiheit November 17, 2009, 10:38
Posted by Lila in Edle Selbsterkenntnis.20 comments
So heißt ein neu erschienenes Buch (leider bisher nur auf Hebräisch), das ich gerade geschenkt bekommen habe – mit Widmung. Vielleicht erinnert sich noch jemand, daß ich manchmal geheimnisvolle Andeutungen gemacht habe über das Archiv einer Familie von Yeckes aus Jerusalem? Private Briefe, Notizen und Tagebücher hochinteressanter Menschen, deren Sohn nach dem Tod der Eltern ihren Spuren nachging. Dieser Sohn war jahrelang mein Chef, und anfangs hat er meine Hilfe nur für kleinere Übersetzungen in Anspruch genommen. Wir haben uns in meinem Büro getroffen, und ich habe ihm ein bißchen beigebracht, wie man deutsche Handschrift liest. (Er kann ganz gut Deutsch, weil seine Eltern zuhause meist deutsch gesprochen haben).
Als er von der Hochschule Abschied nahm, bat er mich zu einer Unterredung, „die nichts mit der Arbeit zu tun hat“. Er schlug mir vor, ihm bei der Entzifferung und Übersetzung der Familienbriefe zu helfen.
Und damit fing eine lange Zusammenarbeit an. Er gab mir große Stapel von handgeschriebenen Briefen, ich lieferte nach einer Weile Stapel von übersetzten, mit Anmerkungen versehenen Briefen ab. Es war eine faszinierende Arbeit – ich hielt handschrifliche Briefe von Veit Harlan, Hilde Körber, Joachim Prinz, Friedrich Strindberg in Händen. Nach einer Weile stellte sich heraus, daß seine Familie über viele Jahre Geheimnisse verborgen hatte. Mit meiner, aber nicht nur meiner Hilfe kam er ihnen auf die Spur. Er fuhr nach Berlin, nach Bayern, nach England, und traf Menschen, die sich an seine Eltern in ihrer Jugend erinnerten.
Irgendwann war ein Großteil der Briefe übersetzt, ein Großteil der Geheimnisse gelüftet. Der Sohn hatte Kontakt zu nie gekannten Verwandten aufgenommen, und sein Leben hatte sich verändert. Er setzte sich hin und machte aus den Stapeln von Briefen ein Buch. Nicht nur ein Buch über seine Eltern, ihren Weg von Berlin nach Jerusalem und (im Falle des Vaters) zurück nach Berlin, sondern auch über seine Suche nach den verborgenen Wurzeln. Das nahm ungefähr zwei Jahre in Anspruch. Nun ist das Buch fertig – es liegt neben mir, mit einer schönen, herzlichen Widmung in der exakten, klaren Handschrift meines ehemaligen Vorgesetzten, dem ich während der Recherche respektvoll ein bißchen nähergekommen bin.
Viele schöne Bilder enthält das Buch, und ich werde es so schnell wie möglich lesen. Ich bin sicher, daß eine deutsche Ausgabe ein großer Erfolg wäre, nicht nur wegen der vielen berühmten Menschen, die mit der Geschichte der Familie verwoben sind. Es ist ein Stück Zeitgeschichte, und auf meinen kleinen Anteil daran, so klein er auch ist, bin ich stolz.
Kurios, kurios November 15, 2009, 23:10
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Wir tragen uns ja schon seit über einem Jahr mit dem Gedanken, anderswo neu anzufangen, aber auf einmal geht alles ziemlich schnell. Wir haben die Verhandlungen über unsere Abfindung reibungslos überstanden – die Summe reicht für unsere Pläne aus, und wir hakeln nicht um einzelne Punkte, an denen wir mehr „rausholen“ könnten. Wenn das Haus für den Übergang rechtzeitig frei wird, ziehen wir Chanukka schon um – also in zwei, drei Wochen. Ich horte schon Zeitungspapier, wir suchen uns einen günstigen Spediteur, und Umzugstips aller Art sind uns hochwillkommen.
Nach unserem letzten Umzug vom winzigen Häuschen in unsere jetzige Wohnung habe ich mir geschworen: ich ziehe nie wieder um, ich hab die Schnauze voll. Die vielen Bücher! der ganze Familienkram! Aber diese Umzüge im Kibbuz haben wir natürlich allein gemacht, nur mithilfe von Freunden und Familie. Diesmal wird es ohne Spediteure nicht gehen, wir haben keine Zeit und Nerven, uns selbst mit den schweren Möbeln abzuäschern. Aber mir graust davor.
Wir gehen abends, wenn es geht, wie immer um den Kibbuz, Y. und ich – Tageserlebnisse austauschen, frische Luft schnappen und den Körper dran erinnern, daß der Schreibtischstuhl nicht notwendigerweise ein Teil von ihm ist. Jetzt gucken wir den Kibbuz mit ganz anderen Augen an. Einerseits wehmütig – wir kommen an unsren alten Häusern vorbei, an den Kindergärten der Kinder, am Fabrikeingang, wo ich früher auf Y. gewartet habe, Primus im Kinderwagen dabei. Wir gehen am Vordach vorbei, wo die vielen Traktoren und landwirtschaftlichen Maschinen stehen – wie viele Nachmittage habe ich damit verbracht, den Kindern zuzugucken, wie sie auf jeden Traktor klettern und stolz rufen: John Deere!
Aber wir kommen auch an den winzigen Häuschen vorbei, in denen sich die Familien mit vielen kleinen Kindern drängen, und an den wesentlich größeren Häusern, die die Chaverim ab 50 bekommen, wenn die Kinder aus dem Haus sind. Das System des Wartens, bis man dran ist, hat ausgedient. Keiner kommt mehr dran, der Kibbuz baut nicht mehr, die Chaverim müssen Baudarlehen aufnehmen und können dann bauen – aber nicht jeder hat genügend Eigenkapital für so ein Darlehen. Und es ist schon absurd, wenn wir die großen Häuser sehen – in denen wohnen jetzt Empty-nesters allein. Meist Paare, die ihre vier Kinder in denselben bedrängten Verhältnissen großgezogen haben wie wir. In anderen Kibbuzim ist das nicht so kraß wie bei uns, da wird Wohnraum für die jungen Familien gebaut, aber unser Kibbuz hat anders geplant. Absurd eigentlich, und alle wissen, daß es falsch geplant ist. Aber es ist schwer zu ändern. Der Kibbuz ist, wie der Sekretär sagt, ein schwerfälliger Körper – und jede Entscheidung hängt davon ab, welche Interessengruppe am aktivsten zur Versammlung und Abstimmung geht.
Die Aussicht ist so schön, das Fleckchen Erde bestimmt eines der schönsten im ganzen Nahen Osten – die Hügel, die Bäume, die hellen Steine, das Meer so nah und die schöne Linie der Carmelberge als Begrenzung. Heute war die Luft ganz klar, und wir gingen in der Abenddämmerung den Weg von Westen nach Osten. Fette Wolken über dem Meer, man sieht die Küstenlinie runter bis Hadera, wo die Schornsteine im Meer stehen. Und schon Dunkelheit über Um el Fachm, deren Lichter am Hügel gegenüber blinken. Ich höre die Frösche quaken, die Schakale jaulen, und im Gebüsch vor unserem Haus raschelt „unser“ Igel hektisch, als wir wiederkommen.
Es ist ein seltsames Gefühl, Abschied zu nehmen, wir wollten das nie. Y. fällt es leichter, er möchte Veränderung, er hat darauf gedrängt, und ich kann den armen Mann nicht sein Leben lang an denselben Ort bannen, nur weil ich mich hier wohlfühle. Er hatte schon öfter den Drang, wegzugehen, und er geht mit Leichtigkeit, weil er seine Entscheidungen rational fällt, und rational gesehen dies die richtige Entscheidung ist. Außerdem ist er mit dem Kibbuz so verwurzelt, daß er ihn sowieso mit sich trägt, egal wo er ist.
Für mich ist es anders. Für mich ist dieser Kibbuz mein Zuhause in Israel und ein Teil von mir wie mein Name. Aber auch meinen schönen Nachnamen habe ich mir erheiratet – und den Kibbuz auch. Ich habe Angst, wegzugehen – daß mir dann keine Verbindung mehr bleibt.
Aber der neue Ort hat uns bezaubert. Selbst mein kritischer Schwiegervater, der am Wochenende extra hingefahren ist, um sich das Projekt mal anzugucken (und der auf dem Rückweg einen Autounfall hatte, Gott sei Dank ist ihm nichts passiert, auch wenn das Auto hin ist), mußte zugeben: das ist ein schönes Fleckchen, da kann man schon verstehen, daß ihr euch dort ansiedeln wollt. Auch meiner Mutter hat es ja gefallen, wenn sie es auch gar zu abgelegen fand.
Mit etwas Glück kriegen wir das aller-äußerste Grundstück, das wirklich nur wenige Meter vom Grenzzaun entfernt ist. Noch sind die Verhandlungen weder im Kibbuz noch in Bezug aufs Übergangshaus noch auch am neuen Ort abgeschlossen. Falls Ihr also noch ein Däumchen freihabt…
Gedanken zum Thema Libanon November 10, 2009, 17:15
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Große Freude herrscht rundherum über die Regierungsbildung im Libanon.
Uno-Generalsekretär Ban Ki Moon zeigte sich zufrieden über die Bildung einer Regierung der nationalen Einheit. Ban hoffe, dass die politischen Führer des Libanon weiter im Geiste der Einheit, des Dialogs und der Zusammenarbeit kooperieren werden, hieß es in einer Mitteilung der Vereinten Nationen vom Montag in New York.
Frankreichs Staatspräsident Nicolas Sarkozy übermittelte dem libanesischen Ministerpräsidenten Saad al-Hariri seine „herzlichen und freundschaftlichen Glückwünsche“. Die italienische Regierung bezeichnete die Einigung als „sehr positive und ermutigende Nachricht für die Zukunft des Libanon und des gesamten Nahen Osten“.
Ich meine mich zu erinnern, daß etwas gedämpftere Freudenjuchzer Netanyahus Wahl begleiteten. Was so erfreulich daran sein soll, daß die Hisbollah nun in der libanesischen Regierung sitzt, frage ich mich – aber der Rest der Welt scheint das herrlich zu finden. Na ja, vermutlich sind sie froh, daß die Hisbollah die Wahlen nicht gewonnen hat… und das bin ich auch. Ich kann mir auch denken, daß Hariri selbst nicht sehr begeistert ist.
Na, wollen wir das beste hoffen. Die Gerüchteküche zum Thema „Israel plant einen Angriff auf den Libanon“ blubbert jedenfalls weiter. Was soll das bedeuten? Vielleicht, daß die Hisbollah selbst eine Aktion plant und davon ablenken will oder die Welt samt Presse darauf vorbereiten will, Israel wieder in der Rolle des bösen, bösen Aggressors zu zeigen. Wie das letzte Mal, ach ach ach! Daß die Israelis sich so ungern beschießen lassen! Nach acht oder neun lächerlichen Jährchen Beschuß und Entführungen schlagen sie dann brutal zurück! Schlimm, schlimm… da kann man sich schon mal wohlig warmschreiben im Ausmalen des israelischen Angriffs.
Ich hoffe, daß sich das Szenario von vor drei Jahren, Zarit-Shtula und so weiter, nicht wiederholt. Die Theorie meines Mannes war ja damals, daß die nächste Eskalation erst kommt, wenn es sich für die Gegenseite lohnt, i.e., wenn der Iran dat Bömbschen hat. Mal gucken, ob er Recht hat.
Eines aber muß man zugeben: Samir Kuntar ist frei. Die Hisbollah hat ihr Kriegsziel von damals erreicht. Wir haben aber auch was erreicht: relative Ruhe im Norden. Bisher.
Geständnis November 8, 2009, 14:06
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Vor ungefähr einer Woche habe ich den Eintrag verfaßt, den ich jetzt erst veröffentliche – eigentlich alles noch nicht ganz spruchreif, aber ich kann doch nicht immer weiter schweigen… Und gerade beginnen die Gerüchteküchen wieder zu brodeln, diesmal aber präziser als letzte Woche beim Spiegel: es ist die Hisbollah, die aufrüstet, und nicht Israel. Ganz wie ich gesagt habe. Die Hisbollah rüstet nicht nur mit Waffen auf, sondern auch mit Hetze gegen Israel und Ausstreuen einer ganz gehörigen Portion Hysterie. Das Ergebnis werden wir sehen, wenn die Hisbollah angreift und Israel sich wehrt. Dann werden wieder die Kommentare bei mir reinflattern: oh böses, unmenschliches Israel! Bis dahin wohnen wir schon an der Grenze, nehme ich mal an.
Und hier nun der Eintrag von letzter Woche:
Na gut, wenn es schon so weit ist und wieder geunkt wird, daß der nächste Schlagabtausch zwischen Israel und dem Libanon bevorsteht…. (was ich für kompletten Unfug halte, denn bisher hat Israel nichts getan, als klein-klein zurückzuschlagen, weil von Zeit zu Zeit Raketen auf dem Libanon auf israelisches Gebiet abgefeuert werden – muß sich eigentlich ein souveräner Staat sowas in anderen Weltgegenden gefallen lassen? Der ganze Artikel atmet förmlich die paranoide Angst vor Israel, das man mit zahllosen Nadelstichen piekst, um dann aufzuschreien, wenn der Bär erwacht…) … also da kann ich ja nun mein Geständnis loswerden.
Mich freuen diese Gerüchte eher, denn dadurch fallen die Grundstückpreise im Norden vielleicht noch ein bißchen. Wer mich kennt, weiß, wie fern mir solche Spekulationen eigentlich liegen. Es muß also ein guter Grund dafür vorliegen, wenn ich auf Grundstückpreise schiele. Und in der Tat gibt es einen guten Grund dafür: wir wollen den Kibbuz verlassen und uns ganz oben, an der libanesischen Grenze, am Rande der Welt ansiedeln.
Wir haben seit der halben Privatisierung des Kibbuz den Spaß am Leben hier verloren, und wir wollen uns dem Hauen und Stechen entziehen, mit dem die vollständige Privatisierung (Grund und Boden werden verteilt) einhergehen wird. Auch wenn wir dabei unsere Rechte auf Grundbesitz im Kibbuz verlieren und auf alle Ansprüche bei der Verteilung verzichten müssen – das ist es uns wert. Wir wollen in der Wildnis leben, auf eigene Rechnung. Die ganzen Jahre hat es uns nicht gestört, Kibbuzniks zu sein, im Gegenteil. Das System kam uns immer gerecht und fair vor, und wir haben gern einer des anderen Last mitgetragen. Doch der Kibbuz ist kein Kibbuz mehr, die Lasten rutschen und schwanken, und wir haben auf einmal große Lust, nach Jahrzehnten der Stabilität mal die Luft der Veränderung zu schnuppern.
Unsere Kinder, für die dieser Entschluß ebenfalls Konsequenzen haben wird, sind erstaunlicherweise begeistert. Die Aussicht, ein bißchen mehr Platz im Haus zu haben, und wirklich in der Wildnis zu leben, direkt am Grenzstreifen, in einem Paradies für wilde Tiere – das gefällt ihnen. Die Aussicht vom nördlichen Gebirgszug ist atemberaubend. Nach Norden ist das nächste Dorf schon im Libanon, nach Süden streckt sich die Küstenlinie. Gegen Osten sieht man Berge mit Wald. Die ganze Gegend ist bewaldet. Und ich wollte doch immer schon im Wald leben.
Bisher war unsere nächste erreichbare Stadt Yokneam – auch mit nachsichtigen Augen betrachtet ein häßliches und langweiliges Örtchen mit spärlicher Anbindung an den Rest der Welt. Wenn wir umziehen, wird die nächste Stadt aber Nahariya sein – eine wunderhübsche Stadt am Meer, mit echter Innenstadt und einer sehr netten Atmosphäre. Noch dazu ist es Tertias Geburtsstadt. Bei der Aussicht, eine Stadt mit Bahnhof und großem Busbahnhof, Meer und Promenade in der Nähe zu haben, leuchteten alle Augen.
Unsere Gegend hier, die am Ende der Welt lag, als ich hier hin zog, hat in den letzten Jahren mehr und mehr ihren ländlichen Charakter verloren. Die Straße Nr. 6, die Pläne für ein neues industrielles Zentrum ganz in der Nähe, der enorme Zuzug nach Yokneam, jede Menge Neubauten von Einkaufszentren, einem Kraftwerk und neuen Wohnsiedlungen fast überall um uns herum – langsam wird aus dieser grünen, idyllischen und wunderschönen Gegend eine Art Vorgarten von Netanya und Hadera. Wir lieben diese Gegend, aber sie verändert sich. Und Y. lebt hier sein ganzes Leben. Er hat die Idee ausgebrütet, uns ebenfalls zu verändern. Er arbeitet ja jetzt im Norden und wird es näher zur Arbeit haben. Und für mich sind meine Arbeitsplätze auch erreichbar – ich arbeite ja sowieso die meiste Zeit zuhause.
Secundus werden wir so kurz vor dem Abitur natürlich nicht verpflanzen. Er wird ein Zimmer im Kibbuz oder im Internat bekommen, bis er das Abi hat, und dann zu uns stoßen. Primus braucht uns sowieso nur alle paar Wochen am Wochenende, und obwohl er sein Zimmer im Kibbuz ungern aufgibt, hat es auch für ihn Vorteile. Die Mädchen sind erstaunlich bereit, die Schule zu wechseln – irgendwie fühlt es sich an, als hätten wir alle auf eine Veränderung gewartet.
Wir sind noch mitten in der Planung, und vieles kann noch schiefgehen. Aber in groben Zügen sieht unser Plan so aus: wir ziehen in etwa einem Monat (hoffentlich zu Chanukka, wenn die Kinder Ferien haben) in ein geräumiges Haus mit Seeblick. Sobald Secundus das Abi hinter sich hat (in einem halben Jahr), zieht er hinterher. Und wir sind nah an der Baustelle unseres neuen Hauses, das wir von A bis Z selbst planen können. Es wird ein ökologisches Haus, ein Niedrigenergie-Haus mit Sonnenenergie, Verwendung von „grauem“ Wasser, vernünftig gedämmt – was in Israel gar nicht selbstverständlich ist. In anderthalb Jahren soll es fertigwerden, und dann ziehen wir noch einmal um.
Wir sind noch mitten in den Verhandlungen mit dem Sekretär des Kibbuz, der ein guter persönlicher Freund von mir ist – Y. überläßt mir die Verhandlungen, weil er es mit diesem Mann „nicht so gut kann“. Der Sekretär rief mich vorgestern an und meinte: „ich hoffe, du glaubst mir, daß ich mit niemandem darüber gesprochen habe – aber der ganze Kibbuz weiß schon, daß ihr wegziehen wollt“. Ich konnte ihm versichern, daß ich ihn keinen Moment in Verdacht hatte. „Quarta hat es nur im Vertrauen ihrem besten Freund Eliran Weintraub erzählt“, und dann kichern wir beide. Elirans Mutter ist eine nette Frau, nur leider etwas, hm, gesprächig. Sie hat uns tatsächlich angerufen, um zu fragen, ob die Gerüchte stimmen und wir wirklich… Oh, Kibbuz. Danke, Elirans Mama, daß du mich daran erinnert hast, weswegen es ganz gut sein wird, auch mal andere Luft zu atmen.
Musik für einen Herbsttag Oktober 31, 2009, 10:44
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Ich bin zu faul, nachzugucken, ob ich die schon mal hier reingestellt habe… Arik Einstein, Aviv Gefen, Ivri Lider.
Endlich, endlich Oktober 31, 2009, 7:16
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ist der Herbst auch bei uns angekommen. Vor meinem Fenster färben sich die Blätter endlich ein bißchen bräunlich, und seit gestern regnet es praktisch ununterbrochen. Über dem ganzen Land hängen dicke Wolken – wir waren gestern auf einem Berg, während dort der Himmel aufbrach, konnten wir es sehen – eine wunderbar riesige Schicht von Muhme-Rumpumpel-Wolken über der Küstenebene.
Wir sind sehr beschäftigt und es tut sich einiges bei uns. Noch kann ich aber nicht davon sprechen, ich will ja nichts beschreien oder jinxen. Aber drückt mal vorsichtshalber die Daumen, schaden kann es nicht.
Wenn ich sehe, wie draußen alles naß glänzt, und das Prasseln der Tropfen auf dem Vordach höre, kann ich mir nur Gutes für die Zukunft vorstellen.
Um die Ecke, gewissermaßen Oktober 27, 2009, 23:19
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Eigentlich ist der Frieden im Nahen Osten doch zum Greifen nahe, oder? Würden die dussligen, starrköpfigen Israelis nur die Armee und Siedler aus den besetzten Gebieten abziehen, dann wäre sofort alles in Ordnung.
So zumindest kommt es einem vor, wenn man ausländische Nachrichten verfolgt. Tut man sich und seiner Seelenruhe dagegen den Bärendienst und konsumiert man auch Zeitungen wie Haaretz, sieht es leider wieder ganz anders aus.
Following a conflagration of violence at Temple Mount in Jerusalem on Sunday, Hamas political leader Khaled Meshal declared that „Jerusalem’s fate will be decided with jihad (holy war) and resistance, and not negotiations.“
Das hat Khaled Mashal gesagt, derselbe Mashal, den Carter so warm als Friedensbringer gepriesen hat. (Interessant auch, wenn man die Geschichte ein bißchen weiterverfolgt, daß Obama, damals noch vor seiner Wahl, sich gegen Gespräche mit Organisationen aussprach, die Israels Zerstörung auf ihre Fahnen geschrieben haben – das war eben noch Wahlkampf, und die jüdischen Wähler in den USA wählen nun mal überwiegend demokratisch, und da wollte man sie nicht vergrätzen… sooo anders als andere Politiker ist Obama anscheinend doch nicht…. )
Kurz und gut, die Hamas denkt gar nicht daran, Verhandlungen irgendeine Chance zu geben. Was nicht bedeutet, daß sie nicht von Israel Zugeständnisse aller Arten einfordert. Aber das heißt dann noch lange nicht, daß auf die Erfüllungen dieser Forderungen der wunderbare Friede erfolgt, den alle so heiß ersehnen, als hinge der Weltfrieden daran (was natürlich eine schöne Illusion ist).
Wieso stehen solche Meldungen eigentlich nicht in allen Zeitungen, die sonst jeden umgefallenen Sack Humus in Israel oder den besetzten Gebieten verfolgen? Ich habe dafür einfach keine Erklärung….
(Meldung gefunden: bei Lozowick, wieder mal. Ich bemühe mich ja, schlechten Nachrichten aus dem Wege zu gehen, aber beim Blog-Lesen holen sie mich dann doch wieder ein…)
Zivilisten mit Raketen beschossen! Oktober 27, 2009, 22:36
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Tropfenweise Oktober 27, 2009, 22:00
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Wer mich kennt, weiß, daß ich Regen sehr gern mag. Das war schon so, als ich in Deutschland gelebt habe, aber es hat sich sehr verschärft, seit ich hier lebe. In einem Land, in dem die Wettertante im Fernsehen mit strahlendem Lächeln nicht etwa Sonnenschein in Aussicht stellt (danke, davon haben wir viel zu viel), sondern EVENTUELL „gegen Abend ein paar Tropfen Regen (tiftufim kalim) im Norden“. Und normalerweise muß sie am nächsten Tag erklären, warum die versprochenen Tröpfchen ausgeblieben sind.
Gestern abend aber, als es schon dunkel war, fielen tatsächlich ein paar Tropfen. Meine treue Freundin rief mich sofort an – „geh schnell raus, es regnet!“ Quarta, schon im Nachthemd, und ich, mit Gummihandschuhen (warum hab ich keine Kittelschürze?) rasten sofort nach draußen, um keinen Tropfen zu versäumen. Wir stellten uns auf die Wiese und freuten uns. Ganze drei Minuten dauerte es, und es waren nur ein paar dicke, staubige Tropfen. Aber ach, wir hoffen auf mehr. Die rissige, ausgetrocknete Erde, die grau raschelnden Bäume ebenfalls…
Ein Gelöbnis Oktober 27, 2009, 21:55
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Primus´ Sanitätskurs ist schon vorbei, heute war der feierliche Abschluß in der Basis Zrifin in Rishon le Zion (im Bahad 10, dem Ausbildungslager des Sanitätsdiensts). Wir saßen mit einer ganzen Menge sehr stolzer Eltern und sahen zu, wie in der warmen Herbst-Abendsonne unsere Söhne und Töchter feierlich einmarschierten. Ich bin ja nicht der militärische Typ, und mich erinnert die schmissige Musik immer an Colonel Hathi und die Dschungelparade. Zu meiner Freude war der Einmarsch zwar keine Dschungelparade, aber auch kein Spektakel wie in China – es wird wohl mehr Zeit mit sinnvolleren Dingen verbracht als haarscharfem Exerzieren.
Es gefiel mir besonders, daß in diesem Kurs Angehörige aller möglichen Abteilungen der Armee zusammen gelernt haben. Sie werden nun alle in ihre Einheiten zurückkehren. Am auffallendsten sind natürlich die Soldaten der Marine, in blendend weißen Uniformen. Den Fallschirmjägern mit ihren roten Baretten schenkten Y. und ich auch ein paar freundliche Blicke – sie tragen auch die rotbraunen Stiefel der Kämpfer. Ansonsten sind sie natürlich olivgrün wie die ganze Infanterie. Die Luftwaffe, inklusive Primus, trug ihre sandfarbene „beste“ Uniform A (die Ausgehuniform – denn die Alltagsuniform ist ebenfalls grün). So war es ein schönes buntes Bild. Natürlich Mädchen und Jungens, äh, junge Männer und Frauen gemeinsam.
Wir sahen also zu, wie diese gemischte Gruppe sich geduldig mehrere Reden anhörte, wie die Besten unter ihnen ausgezeichnet wurden (50% junge Frauen, obwohl sie im Kurs deutlich weniger waren), und sangen mit ihnen die HaTikva. Dann wurden Nadeln verteilt – Primus hat schon eine ganz hübsche Sammlung davon auf dem Hemd. Heute also ein „Würmchen“, wie die Äskulap-Schlange genannt wird. Die Kursleiter nahmen jeden Teilnehmer in den Arm, jeder kriegte ein paar persönliche Worte mit. Eine sehr herzliche Atmosphäre.
Dann wurde der Eid abgelegt.
אני, חייל בחיל הרפואה של צבא ההגנה לישראל
נשבע היום הזה -
להושיט יד עוזרת לכל פצוע ולכל חולה,
אם נקלה ואם נכבד, אם אוהב ואם אויב -
ולכל אדם באשר הוא אדם.אני נשבע להביא מרפא וצרי לגוף ולנפש,
לשמור סוד, אמונים וכבוד, ולשקול את מעשי
בתבונה, בתושיה, ובאהבת אנוש.
שומר אחי אהיה תמיד – אם בקרב, אם באלונקה
ואם ליד מיטת החולי.אני נשבע כי על ליבי יהיה חרוט לעד
הדיבר העליון של ההקרבה -
לא להשאיר פצוע בשדה
בזאת אני נשבע!
Ich, Soldat im Sanitätsdienst der Armee zur Verteidigung Israels,schwöre heute,
daß ich jedem Verletzten und Kranken helfend die Hand geben werde –
ob Gesetzesbrecher oder gesetzestreu, ob Freund oder Feind,
jedem Menschen, der ein Mensch ist.
Ich schwöre, dem Körper und der Seele Hilfe und Heilung zu bringen,
Geheimnisse zu wahren, treu und ehrenhaft zu sein, und meine Entscheidungen mit Verstand, Klugheit und Menschenliebe zu treffen.
Ich werde immer Hüter meines Bruders sein – auf dem Schlachtfeld, mit der Tragbahre und neben dem Krankenbett.
Ich schwöre, daß in meinem Herzen
das höchste Gebot der Opferbereitschaft fest eingegraben ist -
keinen Verletzten zurückzulassen.
Das schwöre ich!
Dann wurden die vielfarbigen Barette in die Luft geworfen. Hinterher gab es noch jede Menge Umarmungen, Zeugnisse, Sanitätsausweise, Abschiede und formloses Gequassel samt Gruppenphoto. Jetzt haben wir den Jungen für ein paar Tage zuhause, dann muß er noch einmal nach Rishon, wo er die Ausbildung gemacht hat, und dann wieder zurück zur Luftabwehr.
Mir hat das Gelöbnis gefallen. Es ist ja selbstverständlich, daß Sanitäter ohne Ansehen der Person helfen müssen – und israelische Sanitäter und Ärzte haben das auch immer wieder getan. Ich gehe davon aus, daß deutsche, amerikanische und syrische Sanitäter und Sanitätsoffiziere denselben Eid schwören – und sich auch daran halten. Wenn jemand den Wortlaut der Gelöbnisse in anderen Sprachen weiß, würde ich mich freuen, wenn er sie in den Kommentaren dazusetzt. (Ist das hier der amerikanische? dann habe ich mich geirrt und der Teil mit der Hilfe für Feinde und Gesetzesbrecher kommt nicht darin vor.) (Und noch eine Frage: wenn man doch sagt „ich schwöre“, ist es dann nicht eine Vereidigung, also mehr als ein Gelöbnis?)

נשבע היום הזה -
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אם נקלה ואם נכבד, אם אוהב ואם אויב -
ולכל אדם באשר הוא אדם.אני נשבע להביא מרפא וצרי לגוף ולנפש,
לשמור סוד, אמונים וכבוד, ולשקול את מעשי
בתבונה, בתושיה, ובאהבת אנוש.
שומר אחי אהיה תמיד – אם בקרב, אם באלונקה
ואם ליד מיטת החולי.אני נשבע כי על ליבי יהיה חרוט לעד
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Was ist schwerer – Oktober 25, 2009, 17:34
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selbst wegfahren, traurige Menschen zurückzulassen und sich am Flughafen noch ein letztes Mal umzudrehen? Oder zurückbleiben und winken, wenn andere fahren, die man am liebsten dauernd um sich hätte?
Ich habe meine Entscheidung nie bereut, mich so weit von meiner Familie und alten Freunden niedergelassen zu haben, aber diese Abschiede nach zu kurzer Zeit für zu lange Zeit, die fallen mir immer schwerer (und leicht waren sie noch nie). Mir fällt es schwer, ein Glas wegzuräumen, aus dem jemand getrunken hat, den ich nun Monate nicht mehr sehen werde, und ich muß mich dazu zwingen, leicht und flüssig zu sagen, daß meine Gäste schon wieder weg sind.
Zwanzig Jahre Glück Oktober 20, 2009, 8:49
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Danke meinem lieben Mann, daß er es so lange schon mit mir aushält und es auch weiterhin mit mir aushalten will.
(Von außen betrachtet ist nichts nerviger als so ein selbstzufriedenes Ehepaar, aber von innen fühlt es sich wirklich gut an.)
Instant-Bloggen Oktober 18, 2009, 12:20
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Ich bin im Brassel, aber nicht nur deswegen. Manchmal liest man Blogposts und denkt sich: ach wie schön, daß jemand das geschrieben hat! Dann muß ich es nicht selbst tun.
Darum heute nur ein paar Lese-Empfehlungen in Markus´ Blog, besonders für Leute, die in Gesprächen immer wieder auf die alten Mythen und heiligen Kühe stoßen. Die armen Araber, Landraub, Vertreibung, Besatzung, Entweihung der heiligen Stätten des Islam…
Gegen den Mythos, daß die Araber „immer schon“ hier waren, die Juden dagegen landfremde Einwanderer sind: Palästina als Einwanderungsland
Gegen den Mythos, daß Israel das Elend der Palästinenser verschuldet hat und perpetuiert: die Ägypterin Nonie Darwish zum Flüchtlingsstatus der Palästinenser
Gegen den Mythos, daß Israel sich auf andere verlassen kann: über die Wiederbewaffnung der Hisbollah unter den Augen der UNIFIL
Gegen den Mythos, daß Jerusalem eine arabische Stadt ist, uraltes Heiligtum des Islam, den die Juden den Moslems widerrechtlich und unter Mißachtung aller historischen Tatsachen wegschnappen wollen: über Jerusalem
So, ich kehre zurück in den Vielfrontenkrieg gegen Sandsturm, Hitzewelle, Semesterbeginn und angesammelte Stapel aus der Zeit der Krankheit…
Schamgefühl ist eine Zier… Oktober 18, 2009, 9:55
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… doch es geht auch ohne ihr, zumindest im sogenannten Menschenrechtsrat der UNO.
Sudan ist zwar nicht Mitglied in diesem Rat, darf aber als UNO-Mitglied sich dort äußern, und ein Vertreter des Sudan hat sich in bewegten Worten gegen Israel empört. Die Unmenschlichkeit der Zionisten, die sich über dem Gesetz wähnen! Damit reiht der Sudan sich in eine wunderbare Reihe der Menschenrechts-Verteidiger ein, so wie Syrien, Lybien, Yemen – allesamt Staaten, in denen Todesstrafe und Folter an der Tagesordnung sind.
Es lohnt sich, diese Zusammenstellung der „scharfen Verurteilungen Israels“ mal anzugucken (ich hab sie hier gefunden).
Keiner der Sprecher scheint das mindeste Problem damit zu haben, daß sie Lügen wiederholen. Ihren obsessiven Gebrauch der Worte holocaust, genocide und concentration camps würde ich glatt als Keule bezeichnen.
Um noch einmal Robert Kemp zu Worte kommen zu lassen:
Und auch die Flüchtlinge aus dem Sudan, die nach Israel strömen, scheinen zu wissen, daß es vielleicht keine ideale Insel der Seligen ist, aber doch ein recht attraktives Ziel. Während der Vertreter ihrer Regierung in Genf zu allgemeiner Zustimmung über Israels Kriegsverbrechen und Verbrechen gegen die Menschlichkeit schwadroniert, wollen Tausende Sudanesen dort Zuflucht suchen. Da die Grenze zwischen Israel und Ägypten an den meisten Stellen eine offene ist (Wüste, man kann sie leider kaum „grüne Grenze“ nennen….), wird Israel dort einen Grenzzaun bauen müssen, denn wir können die Flüchtlingsströme nicht verkraften. (Und bevor Ihr Euch empört: auch die EU läßt nicht alle rein! und die ist größer, reicher und gesicherter als wir).
Nein, Schamgefühl gehört nicht zu den Zierden der Regierungen von Syrien, Yemen, Lybien und Sudan. Trotzdem schaffen sie es, daß ihre wüsten und maßlosen Beschimpfungen ernstgenommen werden. Ja, wenn es im Menschenrechtsrat der UNO gesagt wurde….! dann muß es ja stimmen. Dann muß man ja nicht weiter darüber nachdenken, ob das auch wirklich so ist, oder ob nicht doch gewisse, hm, Interessen in diese Äußerungen miteinfließen…
Manchmal bin ich froh, daß die Philosophen der Aufklärung schon lange tot sind und nicht mehr sehen können, wie sehr sie sich geirrt haben. Sie haben gedacht, man kann Menschen durch Bildung und Zugang zu Informationen und Wissen dazu erziehen, den eigenen kritischen Verstand zu benutzen. Ach, meine Lieben, wäre es mal so.
Bißchen Musick Oktober 17, 2009, 20:38
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Ha-yehudim, Ha-yamim shelanu (Unsere Tage) (transliteriert hier, und Übersetzungsversuche in den Kommentaren bei Youtube)
Ivri Lider, Bo (Komm) (Ivris Cover von Ritas hysterischem Lied, oh ich mag Rita überhaupt nicht! – und Ivri hat daraus ein Liebeslied für zwei Männer gemacht. Bilder aus dem Film Yossi and Jagger).
Bet haBubot, Shir be-iparon (Lied mit Bleistift) (auch hier ein Versuch in den Kommentaren, den Text zu übersetzen)
Gieriges WordPress Oktober 17, 2009, 14:42
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hat soeben einen geradezu brillianten, zynischen und vernichtenden Eintrag meinerseits verschluckt. Leider hab ich keine Zeit, noch einmal ähnliche Höhen zu erklimmen
drum begnüge ich mich mit dem Hinweis auf den Artikel, der meine mickrigen Geisteskräfte solchermaßen beflügelte hat. Er beschäftigt sich mit der Rolle des Internationalen Roten Kreuzes in der Errichtung einer dreifachen Moral: eine normale, für normale Staaten. Eine Narrenfreiheit, für Terroristen. Und eine besonders strenge Moral, in der sogar die Selbstverteidigung verboten ist, für Israel.
Und wenn ihr schon mal dabei seid, lest auch gleich noch die von Lozowick in seiner Gänze veröffentlichte Aussage vor der UNO von Robert Kemp, dem früheren britischen Kommandanten in Afganistan. Er hat den Mut, einmal zu tun, was sonst die meisten westlichen Beobachter wohlweislich vermeiden: er wendet die Standards, die an Israel angelegt werden, auch mal auf andere an. Auf sich selbst zum Beispiel.
Mr. President, based on my knowledge and experience, I can say this: During Operation Cast Lead, the Israeli Defence Forces did more to safeguard the rights of civilians in a combat zone than any other army in the history of warfare.
Israel did so while facing an enemy that deliberately positioned its military capability behind the human shield of the civilian population.
Hamas, like Hizballah, are expert at driving the media agenda. Both will always have people ready to give interviews condemning Israeli forces for war crimes. They are adept at staging and distorting incidents.
The IDF faces a challenge that we British do not have to face to the same extent. It is the automatic, Pavlovian presumption by many in the international media, and international human rights groups, that the IDF are in the wrong, that they are abusing human rights.
Das hat mich beim Lesen fast bis zu Tränen gefreut. Wirklich, ich bin es so gewöhnt, daß vollkommen entfesselt auf jedem Versuch Israels, die bösartigen und jahrelangen und wahllosen Angriffe auf seine Bürger abzuwehren, Kübel von medialem Unrat gekippt werden, daß eine faire Beurteilung mir vorkommt wie ein Himmelsgeschenk. Der Mann weiß, wovon die Rede ist, und er ist nicht besoffen von palästinensischer Haßpropaganda, so daß er die Realitäten sehen kann.
Ich schreibe jetzt mal was hin, was die meisten meiner Leser als Paranoia abtun werden.
Wir befinden uns in einem fortgeschrittenen Stadium der internationalen De-Legimation des Staats Israels. Erinnert Euch in ein paar Jahren daran, daß ich es vorausgesagt habe und Ihr gedacht habt, ich spinne. Es ist eine Kampagne im Gange, letztendlich Israel nicht nur das Recht zur Selbstverteidigung, sondern die Souveränität als Staat abzusprechen. Anders ist es nicht zu erklären, daß internationale Gremien, Medien und Politiker in Scharen das palästinensische Gespinst von Lügen, Übertreibungen, Halbwahrheiten, Verzerrungen und Hypothesen als Wahrheit akzeptieren, desen Entstehung und Ausschmückung in ihre Lebenszeit fällt – was die Welt vergessen zu haben scheint.
Dahinter steht Methode, es kann nicht anders sein. Jede positive Meldung aus Israel wird unterdrückt, heruntergespielt oder verschwiegen – jede Gelegenheit zur Verleumdung geradezu gierig ergriffen. Der Grund dafür? Ich glaube nicht an monokausale Erklärungen. Angst vor dem Viertel der Weltbevölkerung, das dem Islam angehört und dem man in vorauseilendem Gehorsam ein Opfer bringen will? Abneigung gegen ein Volk mit Idenitität, Solidarität und Erinnerungsvermögen, das einem vor Augen hält, wie man selbst es jahrhundertelang behandelt hat, und das sich endlich wehrt? Neid gegen eine Gesellschaft, die selbst an den Rand gedrückt und marginalisiert, verleumdet und tödlich bedroht, jede Woche die Welt mit neuen medizinischen, wissenschaftlichen oder technologischen Erfindungen beglückt, eine lebendige kulturelle Szene hat und das, wenn man es von der FIFA-Gruppe Nahost ausschließt, sich unverdrossen alle vier Jahre von europäischen Teams deklassieren läßt? Uralte Vorurteile gegen Jesusleugner, Christusmörder, Kindermörder zum Zwecke der Mazzen-Erzeugung?
Sucht euch was aus. Aber erinnert euch an meine Voraussage, wenn das erste Mal in der UNO der Antrag gestellt wird, die Staatsgründung Israels zu widerrufen. Es kann noch ein paar Jahre dauern, aber ich ahne nichts Gutes. Okay, okay, ich laß mein Chakra reinigen, trinke Lavendeltee und lerne Autogenes Training, wenn Ihr darauf besteht – aber es gibt auch Paranoide, denen man tatsächlich ans Leben will.
Eine Meldung, ein Kommentar Oktober 15, 2009, 19:02
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Wie nicht anders zu erwarten, unterstützt der Menschenrechts-Rat der UNO den Goldstone-Bericht.
Israel’s ambassador to the UN in Geneva, Aharon Leshno Yaar, said the Human Rights Council resolution, drafted by the Palestinians with Egypt, Nigeria, Pakistan and Tunisia, on behalf of non-aligned, African, Islamic and Arab nations, threatened to „set back hopes for peace“.
Wie kann das sein? Wie kann etwas, das so bekannte Vorreiter von Demokratie und Menschenrechten vertreten, dem Frieden schaden, diesem vielbeschworenen Frieden?
Warum die vollkommen einseitige und hysterische Hetzjagd auf Israel dem Frieden schadet, wird dann hier erläutert.
Back in 2005, Prime Minister Sharon assured Israelis it was OK to withdraw from Gaza because if Hamas tried to make it into a launching pad for terrorist attacks, the IDF would respond decisively with the support of a sympathetic international community. But now – after ruthless Monday morning quarterbacking by the UN of Israel’s self-defense in Gaza – what sane Israeli government would cede the West Bank?
No democratically-elected Israeli leader could afford to be blamed for opening Israel to more terror even as it would suffer another round of condemnations as “an occupying power” by the next Judge Goldstone. Jerusalem has enough threats to deal with without worrying that its political and military leaders will face arrest and trial by the International Criminal Court in the Hague if they dare respond to attacks against Tel Aviv and Haifa – not from Gaza – but from Ramallah and Jenin.
Leider vollkommen richtig. Wie oft habe ich den Beschuß vom Gazastreifen erwähnt? Ich linke nochmal zurück zu meiner Zusammenfassung vom Januar – nur ein Zitat vom Dezember 2008:
Eine militärische Reaktion könnte eskalieren, und einen weiteren Krieg gegen eine Terrororganisation hat uns gerade noch gefehlt. Die Palästinenser legen uns das natürlich als Schwäche aus und provozieren, bis sie uns soweit haben, daß die Armee einmarschiert. Dann werden wir wieder die Proteste in der UNO hören, wie menschenverachtend die Politik Israels ist.
Ja, genauso ist es gekommen. An große Proteste in der UNO oder der westlichen Welt in der Zeit der Terroranschläge, als wir täglich Menschen begraben haben, erinnere ich mich nicht. Denn es gab sie nicht. Terror ist wohl das Menschenrecht der Palästinenser, Gegenwehr Israels dagegen eine brutale Verletzung dieses Menschenrechts. Dabei garantiert die UNO in ihrer Charta das Recht auf Selbstverteidigung.
What goes around comes around. This year, it may be Jerusalem that’s the target of international kangaroo courts designed to strip it of the inalienable right to “the individual and collective inherent right of self-defense” guaranteed to every member state by Article 51 of the UN Charter: a minor detail to seems to have slipped Judge Goldstone’s mind.
Den Briten, Deutschen, Amerikanern, Franzosen und anderen NATO-Mitgliedern würde ich mal einen Goldstone wünschen, der ihnen so genau auf die Finger guckt… es ist ja so leicht, uns zu verurteilen, die von aggressiven, blutrünstigen Extremisten pausenlos angegriffen werden. Wir wenden einen großen Teil unseres nationalen Wohlstands und unserer Lebenszeit und -energie für die Verteidigung des Ländchens auf, das von allen Seiten, aber wirklich von allen Seiten angegriffen und in Frage gestellt wird.
Und es ist der Mechanismus wie beim Mobben auf dem Schulhof: immer mehr Zuschauer schließen sich dem Mobber an, werden selbst zu Mobbern. Die Türkei ist so jemand – zur Türkei schreibe ich noch mal extra, aber die immer stärkere Isolierung und Verdammung Israels und das Mantra der „Räumung der Siedlungen“ gehören zusammen, gehören zu einer Strategie, Israels Existenz unmöglich zu machen.
So gern wir die Gebiete räumen würden (wofür es in Israel, ich wiederhole mich zum x-ten Mal, seit Jahren eine Mehrheit gibt), wir können nicht, solange der palästinensische Terror von der Welt sanktioniert und abgesegnet wird wie von Goldstone und der UNO.
Ich hätte nie gedacht, daß es mal so weit kommen würde, daß uns wirklich kein Ausweg mehr bleibt, keine Vision für die Zukunft. Wie sollen wir aus diesem Kreislauf ausbrechen?


