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Am Block Juli 1, 2009, 21:59

Posted by Lila in Edle Selbsterkenntnis.
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So, das gefürchtete Blockseminar hat angefangen. Den Studenten graut davor genauso wie mir. Sie sind Lehrer in der Fortbildung – haben also gestern ihre Klassen entlassen und Zeugnisse verteilt, wenn sie an der Grundschule arbeiten. Die Mittel- und Oberstufen sind schon seit einer Woche in Ferien. Und die Hochschule ist wie ausgestorben. Die Stühle auf dem Rasen wurden heute weggeräumt, die Urkunden sind verliehen, und nur noch eine Cafeteria ist offen. Und wir sitzen bei der Glühhitze jeden Tag fast vier Stunden und arbeiten. Na ja, ich bin fast vier Stunden mit ihnen zusammen, dann darf ich nach Hause gehen, aber die armen Studenten haben nach mir noch zwei intensive Veranstaltungen. Sie tun mir leid.

Aber es ist weniger schlimm als gefürchtet. Wir haben heute das Programm zusammengestellt, und die Gruppe ist kleiner als letztes Jahr. Wieder heterogen – Juden, Christen, Moslems, aber diesmal ohne die Drusen und Beduinen, die letztes Jahr eigentlich den richtigen Pfiff gegeben haben. Der beduinische Student wird mir ja durch seine witzige Abschlußrede unvergessen bleiben. Auch diesmal sind es besonders nette Studenten. Ach nein, auch meine anderen sind nett, aber so eine Gruppe von älteren, selbst lehr-erfahrenen Menschen ist schon was anderes. Die Stunde läuft ganz anders ab, mehr im Dialog.

Ja, ich habe es eigentlich doch ganz gut. Ich mag meine Arbeit, und ich mag die Menschen, mit denen ich zu tun habe. Ich unterrichte in einer Klasse, in der ich selbst gelernt habe – vor vielen Jahren. Viele Stunden hatte ich in dem Raum, und unterrichtet habe ich dort auch schon öfter. Aber unvergessen bleibt mir die erste Stunde in Raum 903. Das war nämlich die Eröffnungsstunde im Kurs “Computer – Grundkenntnisse”, und unser Lehrer war ein sanftmütiger Russe namens Boris (”Baris!) aus St. Petersburg. Sein Sohn ist mit einer Deutschen verheiratet, und wir hatten sofort einen guten Draht. Das wußte ich aber in der ersten Stunde noch nicht. Ich war sehr beklommen, denn das war die einzige Veranstaltung, vor der ich Angst hatte – Angst, mich bis zu blamieren.

Ich wußte ja nicht mal, wie man einen Computer anschaltet. Ja ja, und dann hat Baris uns beigebracht, wie man Disketten formattiert (firmut diskettim). Das hätten wir uns schenken können. Meine Dateien waren immer so groß und bilderreich, daß ich sie kaum auf die Diskette quetschen konnte, und da hatte man dann so ein Progrämmchen, das einem die Datei in Häppchen zerlegte und hinterher wieder zusammensetzte.

Daran dachte ich heute, als ich im Raum 903 saß und auf die Studenten wartete. Schön, daß ich an diese Hochschule zurückgekehrt bin.  Die Atmosphäre ist so nett, die Kollegen (fast alles frühere Lehrer) so freundlich, die Studenten so bunt und interessant. Auch wenn es heute im ganzen Gebäude keinen Tropfen Wasser, geschweige denn Kaffee, gab…

Kibbuz-Geburtstag Juni 28, 2009, 18:40

Posted by Lila in Kibbutz, Kinder, Katzen.
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Ja, das wird eine riesige Sache, dieser runde Geburtstag. Nicht nur die Ausstellung, dieser Mühlstein um meinen so wenig assertiven Hals….  jetzt wird auch Y. herangezogen.

Im Oktober soll ein Treffen aller Jahrgänge stattfinden, die im Kibbuz aufgewachsen sind. Der Mann, der das organisiert, sucht aus jedem Jahrgang zwei Freiwillige, die sämtliche Altersgenossen ausfindig machen, die Adressenlisten auf neusten Stand bringen, ihren Jahrgang einladen und auch als Anlaufpunkt während des Fests fungieren. Das bedeutet, daß Y. seine alten Freunde, mit denen er sowieso in Kontakt ist, einlädt, wir die Wiese neben unserem Haus als Treffpunkt ausmachen, wo auch bewirtet wird, und unser Haus für sämtliche Bedürfnisse der Gäste öffnen.

Na gut, ich sehe schon, es wird nichts daraus, sich zu drücken… ich dachte, bis Quartas Bat Mitzva haben wir eine Atempause mit großen Festen, aber mir scheint, dieser Kibbuz-Geburtstag überrollt uns, und Zappeln hilft nicht…

Nichts Neues, wieder mal Juni 28, 2009, 9:56

Posted by Lila in Bloggen.
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Mein Wochenplan für nächstes Jahr formt sich langsam – es wird nicht weniger hektisch als dieses Jahr, eher mehr. Wenn ich mir angucke, was ich alles lehren muß und wie viel davon und wie viel Arbeit es sein wird, die Kurse so zu gestalten, wie ich es mir vorstelle – dann kann ich mir nicht vorstellen, wie ich das schaffen soll. Doch bis Ende Oktober habe ich ja Zeit, vorzuarbeiten. Noch ist das alte Semester aber nicht zu Ende, vom Blockseminar ganz zu schweigen, das mir nächste Woche dräut. Wenn ich erst mal drin bin, ist es okay, aber bis dahin habe ich das Gefühl, ich muß einen riesigen Stein rollen. Bergauf.

Irgendwie schaffe ich es nicht, Materialien zu recyceln – wie immer man das auch konjugieren will. Jedesmal, wenn ich ein Thema beackert habe und sogar halbwegs zufrieden war mit dem Ergebnis, denke ich: so, das hab ich jetzt. Ich speichere die ganze Serie samt Hintergrundmaterial, bibliographischen Listen und Notizen auf der externen Festplatte ab. Und nehme mir vor: wenn ich das nächste Mal was zum Thema machen will, dann habe ich es schon fertig! Dann muß ich mich nicht wieder unter Tage begeben mit dem Helm und der Lampe und dem Hämmerchen.

Aber nichts da. Wenn dann das nächste Mal kommt,  dann ist alles vorher Erarbeitete und Gelagerte  irrelevant und nicht gut genug und nicht interessant genug. Die Bilder kann ich vielleicht nutzen, aber ich arbeite das ganze Thema neu auf und ab. Ich kann die Kollegen nicht verstehen, die immer noch dieselben Sachen lehren wie zu meiner Studentenzeit. Ich gucke die Stundenpläne an und staune. Das würde ich nicht aushalten, jedes Jahr ein bißchen anders gedreht, aber immer mehr oder weniger – dasselbe.  Wie soll ich die Studenten interessieren, wenn ich selbst mich langweile? Das geht nicht.

Ich streue meine Themen auch sehr breit, eigentlich breiter, als sonst üblich ist. Ich arbeite gern in Gruppen, die sich aus allen möglichen Disziplinen zusammensetzen, und in denen man ein bißchen rumspinnen kann. Einerseits mach ich ganz solide Einführungen, andererseits etwas wagemutige Querschnitte.  Ich traue mir inzwischen ziemlich viel zu. Na ja, hat ja lange genug gedauert.  Es ist aber alles sehr viel Arbeit.

Inzwischen schmerzt meine rechte Hand (trotz Verzicht auf Maus und optimale Nutzung der Tatstatur) und ich laufe nur noch mit so einem albernen Handschuh rum. Hilft aber wirklich ein bißchen.

Was sonst in der Welt geschieht, ignoriere ich im Moment. Mein Primus war übers Wochenende hier, wir hatten einen Familiengeburtstag (Y.s Bruder), es war eine kleine Pause, aber heute geht die Arbeit weiter.  Keine Ahnung, wann ich ma wieder den Mut haben werde, mich darum zu kümmern, was außerhalb meiner vier Wände vorgeht. Ich glaube, die Katzen wissen mehr darüber als ich…

Letzthin gelesen Juni 21, 2009, 14:50

Posted by Lila in Bloggen, Presseschau.
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Manchmal fragen mich Leser oder Freunde ziemlich verzweifelt, wie sie sich gegen die vielen stereotypen Vorurteile und Vorwürfe wehren sollen, die bei jeder Diskussion über den Nahen Osten auftauchen. Landraub, Besatzer, Apartheid, Kindermörder, Expansionslust – man weiß nicht, welchen Vorwurf man zuerst entkräften soll.  Ich empfehle sensiblen Menschen meist, das Thema zu wechseln, denn sonst verkracht man sich leicht mit der ganzen Bekanntschaft.

Es gehört ja schon praktisch zum Guten Ton, für die Rechte der Palästinenser zu sein – und den meisten Menschen ist selbstverständlich, daß sie dann gegen Israel sein müssen, und damit für jeden, der gegen Israel kämpft. Ob das nun den Palästinensern dient oder nicht.

Ich rate auch dazu, Diskussionen über den Nahen Osten zu meiden, weil die glühendsten Gegner Israels oft die grundlegendsten Fakten nicht wissen – und sie auch nicht wissen wollen. Da kommt dann gern das gelangweilte  ”so genau will ich das nicht wissen, Einzelheiten sind doch egal”.  Aber ohne die Wurzeln des Konflikts zu kennen, kann man nicht kompetent darüber sprechen und auch die aktuellen Ereignisse nicht beurteilen. Und man weiß auch nicht, woher die eigenen “Argumente” und Ansichten eigentlich stammen.

Darum lohnt es sich, einmal aufzudröseln, woher die allgemein beliebten Argumente gegen Israel eigentlich kommen und was es mit ihrem Wahrheitsgehalt auf sich hat. Tilman Tarach hat diese unerfreuliche Aufgabe auf sich genommen, und das Ergebnis läßt sich in seinem Buch “Der ewige Sündenbock” nachlesen.

Er beginnt mit einem Ereignis, das den meisten Fernsehsessel-Nahostexperten unbekannt sein dürfte: dem Massaker von Hebron 1929. Damals schon war klar, daß die arabische Bevölkerung des britischen Mandatsgebiets unter keinen Umständen eine jüdische Präsenz, geschweige denn einen jüdischen Staat, dulden würde. Egal wie mickrig und verletzlich dieser Staat auch sein würde. Der Haß gegen die Juden ist die Wurzel des Problems, und wenn man das nicht erkennt, kann man die weiteren Vorgänge nicht richtig einordnen. 1929 – das ist Jahrzehnte vor der Staatsgründung, vor der Besatzung.

Tarach stellt einige der übelsten Verzerrungen richtig, die über Israel im Umlauf sind (darunter die Geschichte des Bilds von Tuvia Grossman), nimmt sich der Rolle der USA, der UNO, der Sowjetunion, der EU an, und bringt viele Fakten – die Haare stehen einem zu Berge. Seine Verweise (in Form von Fußnoten)  auf Bücher, Zeitungsartikel und Websites laden zweifelnde Leser zum Weiterlesen und Überprüfen seiner Fakten ein.

David Harnasch resümiert seine Besprechung des Buchs so:

Die Lektüre von Tarachs Buch ist jedem zu empfehlen, der an einer kompakten Einführung in die Motivation einer pseudo-linken „Israel-Kritik“ interessiert ist, deren antimodernistischen, antiwestlichen Kern der Autor schonungslos offen legt. Bei der Parteinahme nicht nur „linker“ Feinde Israels für islamische „Freiheitskämpfer“, welche – keineswegs nur in „Palästina“ – der „eigenen“ Jugend keine anderen Perspektiven gesellschaftlicher Organisation zu bieten haben, als die der Vorbereitung auf Suizid-Attentate, handelt es sich nicht um eine verfehlte Einschätzung irgendeines internationalen Konflikts, sondern um ein offenes Bekenntnis zur Barbarei.

Tarach hat ein Hühnchen mit der Linken zu rupfen, deren Sprachregelungen und Korrektheiten von den deutschen Medien längst so nahtlos übernommen wurden, daß sie einem nicht mal mehr auffallen.  Anti-israelische Ressentiments gibt es nicht nur von links und pseudo-links. Tarach hat sich entschieden, die Heuchelei und Doppelmoral der als links verkleideten Israel”kritik” aufs Korn zu nehmen – wenn bekennende Pazifisten für Hamas-Milizen Partei ergreifen, ohne selbst einen Widerspruch zu empfinden. Solange es gegen Israel geht, sind alle Mittel gerechtfertigt.

Ich hätte Tarachs Buch aber eine letzte kritische Runde mit der Gartenschere gewünscht und dabei alle heftigen Polemiken weggezwickt. In einen Blog mögen sie passen, aber in einem Buch stören sie mich. So zum Beispiel, wenn er auf S. 169 gegen den unglaublich naiven Georg Dürr eifert und fragt: “Hat der Typ noch alle Tassen im Schrank? Wünscht sich diese Knallcharge die israelischen Soldaten etwa als Sozialarbeiter für die Palästinenser zurück?”  Mit solchen Ausdrücken entwertet er, zumindest für mein empfindsames Gemüt, seine Argumente. Die polemische rhetorische Frage als Stilmittel kann man auch überstrapazieren – auf manchen Seiten wimmelt es von Fragezeichen.

Ich kann nicht einschätzen, wie viele anti-israelische Leser die Lektüre dieses Buchs von Anfang bis Ende durchhalten und dadurch tatsächlich Denkanstöße erhalten, um die Einstellungen der Knallchargen und Tassen-Beschränkten  mal zu hinterfragen. Ich glaube, das Buch eignet sich eher für Leute, die die anti-israelische Propaganda sowieso ablehnen und nun nach argumentativer Unterfütterung suchen.

Mir persönlich fällt es sehr schwer, solche Bücher zu lesen, und ich kann es nur in kleinen Happen tun – die Ungerechtigkeit und Verlogenheit läßt mich immer wieder schier verzweifeln, weswegen ich ja blogge… und auch Bloggen hilft nicht.  Denn dann muß ich mich ja damit auseinandersetzen, und dafür habe ich nicht immer die Kraft. Wie oft habe ich mich schon geärgert, wenn sicherheitsbesessene Deutsche, die hinter ihrem Jägerzaun die Welt mißtrauisch beäugen, mir erklären, daß “Mauern noch nie Probleme gelöst haben”… als ob Israel den Sicherheitszaun aus Jux und Dollerei errichtet hätte.

Ein weiteres Buch, das sich als Vorbereitung für knallharte Diskussionen mit hamas-verliebten  ”Friedensfreunden” eignet, ist Yaacov Lozowicks “Israels Existenzkampf“. Lozwick ist stärker historisch orientiert als Tarach und rollt die ganze Historie des Nahen Ostens noch einmal auf. Sein Anliegen ist nicht die Demaskierung der Linken, sondern die jüdische Ethik. Sein Buch ist sachlicher geschrieben, kleiner gedruckt, doppelt so dick  und sparsamer bebildert als Tarachs, aber nicht weniger deprimierend beim Lesen.  Ich weiß nicht, ob es einen “Israelkritiker” mehr überzeugen könnte als Tarachs Buch – vermutlich nicht.

Es ist mir selbst unangenehm, daß ich so pessimistisch bin. Fünf Jahre bloggende Begegnungen mit immer neuen, verblendeten Israel-Hassern haben mich wohl negativ konditioniert. Nein, ich bin nicht pessimistisch, das stimmt gar nicht. Ich glaube, im persönlichen Gespräch kann man trotzdem etwas bewegen.  Wer es wagt, dem wünsche ich viel Kraft und Gelassenheit.

Unter einem Stein Juni 19, 2009, 23:23

Posted by Lila in Kibbutz, Kinder, Katzen.
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Gestern abend war ich bei einer Besprechung hier im Kibbuz. Ich habe mich ja in letzter Zeit mit Arbeit und allem anderen so gestreßt, daß ich zu nichts mehr komme und in keinem Ausschuß sitze. Da unser Kibbuz aber einen runden Geburtstag feiert, konnte ich einfach nicht abschlagen, bei der Organisation einer Ausstellung zu helfen. Alle Künstler des Kibbuz sollen dabei präsentiert werden. Da wir viele Künstler haben (und noch mehr Leute, die sich für Künstler halten…), ist die Auswahl nicht einfach.  Und wie sollen die Sachen präsentiert werden? Eine Ausstellung macht sehr viel Arbeit.

In einem Anfall von Größenwahn habe ich gesagt, ich möchte auch zwei Radierungen ausstellen. Die sind zwar nicht taufrisch, denn wann habe ich schon mal Zeit, in die Druckwerkstatt zu gehen?, aber irgendwie hatte ich das Gefühl, Schluß mit der ewigen Bescheidenheit. SO übel waren meine Radierungen gar nicht.

Ja, so saß ich also gestern abend, vor Ungeduld bibbernd, im hübschen Heim einer netten Frau hier ganz in der Nähe. Mit mir zwei weitere Frauen. Alles tüchtige, freundliche  Frauen, die im Kulturbereich tätig sind. Keine von ihnen saß unruhig da wie ich. Ich hatte mir Schreibzeug mitgebracht und dachte, das wird so eine Besprechung, wie ich es von der Arbeit gewöhnt bin (und ich arbeite ja nicht in einer Bank, auch bei uns gibt es schon mal Abschweifungen!). Doch mit meiner Erwartungshaltung Tagesordnung durch und dann schnell nach Hause… da wurde es nichts.

Bis ich erstmal konkret raushatte, was nun eigentlich wann und wo geplant ist, und was von mir erwartet wird, verging unheimlich viel Zeit. In der Zeit tauschten die anderen Frauen Neuigkeiten aus. Dann kamen wir zur Liste der Künstler. Statt daß wir sie systematisch durchgehen und sagen: Moshik – den übernimmt die Lila, geh hin und such drei Skulpturen aus und ein Skizzenbuch – also statt dessen ging das Gespräch zu Moshiks erster Frau über, und warum sie Selbstmord begangen hat vor 45 Jahren, und wie seine zweite Frau mit den Kindern fertiggeworden ist.  Und daß der jüngste Sohn ein Buch darüber geschrieben hat. Und ob man bei der Ausstellung nicht auch Schriftsteller berücksichtigen sollte. Oh, und Choreographen, ihr wißt doch, der älteste Sohn von Silberbergs….

Und ich als Störenfried in der Runde, mit dem Stift in der Hand: also Moshiks Skulpturen? drei? Und notiere.

Doch irgendwann mußte ich es aufgeben, das mäandernde Gespräch irgendwie in praktische Kanäle zu lenken, es ist ja auch eigentlich gar nicht meine Art, und ich bin ja schließlich auch Kibbuznikit. Aber diese gemütliche Art, die habe ich total verlernt. Ich denke an alles, was ich noch zu tun habe, und es interessiert mich nicht für zehn Pfennig, was Daffi vor dem Kolbo zu Rafi gesagt hat, und was Rafi ihr geantwortet hat.  Auch wenn Daffi Gipsfiguren herstellt, die wir vermutlich auch ausstellen müssen.

Ich habe mich auch mehrmals bloßgestellt. Irgendwann kamen wir zum Namen der wohl besten Künstlerin des Kibbuz, und die anderen meinten, “ja, bis dahin ist die Meira auch wieder hier”. Und ich so: “ja, wo ist denn die Meira?”, und alle drei Frauen: “waaas, das weißt du nicht? ja lebst du denn unter einem Stein? die ist doch schon seit zwei Jahren in New York!” Und ich ganz betreten: “ach deswegen sehe ich die nie”.

Als ich nach Hause kam, konnte ich Y. erzählen, daß sein Kollege Dori einen Schlaganfall hatte (ist ihm auf der Arbeit passiert, er ist neben dem Lager hingefallen und Rivka hat ihn gefunden), daß es einen riesigen Krach in der maskirut gegeben hat, daß sein alter Schulkamerad Yaniv einen Film über den Kibbuz gedreht hat, daß der Computerfritze, mit dem unsere Freundin Pitzi verheiratet ist, zum dritten Mal aus einer guten Position entlassen worden ist und nun in der Küche Möhren schält, und daß Y.s Cousine dritten Grades, die hier mal zur Schule gegangen ist und die wir seit 15 Jahren nicht mehr gesehen haben,  lesbisch ist. Nichts davon  wußte ich vorher. Y. auch nicht.

Er hat mich nur erschüttert gefragt, was denn nun mit der Ausstellung ist und wie viel Zeit das in Anspruch nehmen wird. Die Ausstellung? Ja, keine Ahnung. Da werden wir uns wohl noch mal treffen müssen…

In den Norden Juni 19, 2009, 22:15

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Morgen fahren wir Primus besuchen. Gott sei Dank, er muß sich nicht mehr im Süden, in Staub und Sand und Hitze, quälen. Nachdem ich ihn durch hartnäckiges Bitten zum Arztbesuch bewegt habe und sich herausgestellt hat, daß er asthma-artige Beschwerden hat, die aber im Moment nicht akut behandlungsbedürftig sind, hoffe ich sehr, daß er nicht mehr in den Süden geschickt wird. (Ich wußte doch, daß mir dieser Husten nicht gefällt!)

Natürlich hat Primus uns gebeten, viel Essen mitzubringen, und Süßigkeiten auch, und er möchte zwei Freunde einladen. Ich stehe also gefühlte acht Stunden in der Küche und bereite vor. Ich freue mich auf morgen. Ein halbes Jahr ist er nun schon bei der Armee, und langsam wird es für ihn und für uns einfacher.

Abschiede, Albträume Juni 19, 2009, 8:59

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Langsam nähert sich das akademische Jahr dem Ende zu, und ich verabschiede mich von meinen verschiedenen Zuhörerschaften. Ich mag keine Abschiede, und ich mag keine Reden auf mich, Gedichte und Geschenke, aber ich nehme es tapfer auf mich. An den meisten Einrichtungen werde ich nicht weiter unterrichten, weil ich ja endlich zwei solide, feste  Jobs gefunden habe -  in denen ich mich auch erstmal beweisen muß. Ich bereit im Moment ziemlich fieberhaft das nächste Semester vor, es wird unheimlich viel Arbeit, und deswegen fange ich jetzt schon an, bevor das letzte Semester noch ganz abgelaufen ist.

Letzte Nacht habe ich geträumt, ich stehe vor einer Stunde über Kunst des Mittelalters, karolingische Renaissance,  und bin kein bißchen vorbereitet, habe kein einziges Bild, das ich zeigen könnte, keinen Grundriß, keine Ahnung, nichts. Ich muß mir ganz schnell überlegen, was ich jetzt mache. Den Studenten Döneken über Karl den Großen erzählen? So tun, als wäre mein Laptop kaputt? Sie spontan zu einer bibliographischen Übung in die Bibliothek mitnehmen? Der Traum war so entsetzlich und so realistisch, daß ich vor Schreck erstarrt erwacht bin.

Shizafon Juni 15, 2009, 22:42

Posted by Lila in Kibbutz, Kinder, Katzen.
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ist im Süden, da, wo es noch heißer ist als hier, noch dazu Wüste, Sand, Staub. Genau die richtige Umgebung für einen extrem hellhäutigen, stoppelblonden, blauäugigen Primus. Er und seine Freunde spielen dort in einem Kurs für Offiziere die Soldaten dieser angehenden Offiziere, was wohl mal spaßig, mal langweilig ist. Weniger Zeit zu lesen als bei seinem letzten Posten, wo er die Stunden der Bereitschaft zwischen Wache und Ruhe mit Büchern verbrachte.

Letzte Woche waren Netanyahu und Barak zu Besuch in Shizafon, weil da eine große Übung stattfand. Ich hörte das nur in den Nachrichten und rief Primus natürlich sofort an, ob er die ehrenwerten Herren auch gesehen hat. Ja ja, hat er. Er meint, die haben ganz komisch gelächelt, fast wehmütig, und haben sich an ihre eigenen Zeiten als junge Offiziere erinnert. Außerdem haben beide mit den Soldaten gesprochen und waren unerwartet locker. Primus fand sie um Grade menschlicher, als man sie sonst im Fernsehen sieht.  Die Reden, na ja, die waren so motivazia-Reden. Es war mal eine Abwechslung für Primus. Außerdem hat er an einem großen Sporttag der Armee teilgenommen, wo er und die anderen Abgesandten seiner Abteilung sich nur einen einzigen Sieg erkämpfen konnten – im Tauziehen, immerhin.

Gebete Juni 15, 2009, 13:14

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Die Berichte über die Vorgänge im Iran, die Bilder und Hilferufe  sind erschütternd. Für mich sind die iranischen Bürger, die den Protest riskieren, wirklich Helden. So sieht Zivilcourage aus. Wenn sie es schaffen könnten, das Regime zu stürzen… es ist kaum auszudenken, wie viel besser die Welt dann aussähe. Nicht nur für uns mit unseren Ängsten und Interessen hier in Israel, sondern überhaupt, die ganze Gegend hier. Der Einfluß der iranischen Regierung in so vielen Ländern ist so negativ, so haßerfüllt. Unter Ahmedinijad besonders.

Ich bin voller Bewunderung für die Iraner und wünschte, ich könnte mehr tun als nur das Wenigste – an die Menschen dort denken.

Entschuldigung Juni 15, 2009, 7:48

Posted by Lila in Bloggen.
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Ich hätte mich schon eher melden sollen, aber mit einem ekelhaft hartnäckigen Infekt und einer wahren Flutwelle an Arbeit war ich mehr als ausgelastet… und habe Y. und mir selbst versprochen, den Blog nicht mal aufzumachen, nicht mal, um Kommentare durchzulassen. Die ersten Tage war das schwierig, aber dann gewöhnt man sich schon an ein blogloses Leben. Heute ist der erste Tag, an dem der Druck etwas runtergeht (Mittwoch geht er wieder rauf), und meine Antibiotika scheinen zu wirken (tfu tfu tfu).

Inzwischen haben alle möglichen Leute Reden aller Art gehalten, ich habe von meinen verschiedenen Job-Angeboten die besten ausgewählt, und Y. hatte eine so stressige Woche, daß ich ihn kaum gesehen habe. Er hat teilweise 24 Stunden rund um die Uhr gearbeitet. Wir hatten zwischendurch eine Hochzeit in der Familie, mehrere Besuche aus der großen Welt, Abivorbereitungen und -prüfungen, Bewerbungsgespräche und Klassenfahrten und Arzttermine und ich weiß es selbst nicht mehr.

Es tut mir leid, wenn sich jemand Sorgen um mich gemacht hat, ich hätte mich melden sollen. Aber es waren keine Blog-Kapazitäten mehr frei.

Auch eine Art Vergnügen Mai 31, 2009, 18:00

Posted by Lila in Kibbutz, Kinder, Katzen.
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Die Mädchen gucken gern eine Koch-Sendung im Fernsehen, aber nur, weil sie sich vor dem Mann grausen, der die seltsamsten Rezepte mit seinen haarigen Pfoten anrichtet. Ich höre sie kichern und sagen, “würdest du das essen?” “iiih, und dann tut er da noch Pinienkerne rein, das paßt ja gar nicht”, “guck mal, der leckt erst den Löffel ab und steckt ihn wieder in die Sauce”, “das kann nicht lecker sein”,…. und ich muß mitlachen.  Diese Mädchen, das haben sie von keinem Fremden. Ich würde ja selbst nichts anrühren, was dieser Kochkerl angefaßt hat.

Mehr Musik Mai 28, 2009, 14:38

Posted by Lila in Muzika israelit.
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von Secundus ausgewählt.

Ivri Lider, Zachiti le-ehov

Yehuda Poliker, Dvarim she-raziti lomar (Dinge, die ich sagen wollte)

Beri Sahkarof, Nitzotzot (Funken)

Harel Moyal, Simanim (Zeichen)

Bet ha-bubot, Sigapo

und von mir:

Leah Shabat, Tamid ychaku lcha (Werde immer auf dich warten)

Ich habe einen schönen Nachmittag hinter mir Mai 27, 2009, 23:16

Posted by Lila in Kibbutz, Kinder, Katzen.
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Mein Primus ist endlich wieder zuhause, bis Sonntag! Drei Wochen hatte ich ihn nicht hier. Er hat mir viel erzählt. Seine Geschwister haben ihn mit Jubel begrüßt. Dann habe ich mit Tertia fleißig Geschichte geübt, dabei kann ich ihr wenigstens helfen.

Meine Methode ist unkonventionell, hilft ihr aber sehr: wir basteln zusammen eine illustrierte PowerPointPräsentation des Themas, am liebsten mit Humor. Beim Zusammenstellen müssen wir knapp formulieren und schöne Bilder suchen und uns auch überlegen, was wo hingehört. Und am Ende stellt Tertia überrascht fest, daß sie jetzt tatsächlich alles versteht, was zum Thema in ihrem Geschichtsbuch und ihren Notizen steht. Und das ohne Pauken und ohne Schmerz. Und da sie die Präsentation ja gespeichert hat, kann sie ihr Gedächtnis ganz leicht auffrischen.

Wir haben ja im Lauf des Schuljahrs ein paar Themen so vertieft, und die hat sie toll im Gedächtnis behalten. Mein bebilderter Vergleich zum Thema Industrielle Revolution – ein Tag im Leben eines Schusters, ein Tag im Leben eines Arbeiters in einer Schuhfabrik – ist ihr so im Gedächtnis geblieben, daß sie ihn immer vor Augen hat, wenn jemand davon spricht.

Dann das Fußballspiel, das wir alle zusammen gucken wollen. Tertia machte sich als erste davon und verschwand mit einem Buch im Bett, Secundus wollte es dann doch mit seinen Kumpeln im Clubhaus sehen, Y. wankte todmüde in sein Bett, aber Primus und Quarta blieben wacker dabei. Primus trank Bier, Quarta Malzbier, und sie saßen auf der Couch, knackten Sonnenblumenkerne und fachsimpelten über Messi. Als Primus dann irgendwann in seine Wohnung ging, wollte Quarta ihn gar nicht gehen lassen. Er ist so ein netter großer Bruder, die Mädchen hängen sehr an ihm. (Zu Secundus´ zahlreichen Tugenden zählt Liebe zu seinen Schwestern leider nicht.)

Primus hat morgen übrigens Damenbesuch (sehr nette Dame, wir kennen sie schon lange). Beim Abschied nahm er mich in den Arm und meinte, danke für meine Tips bei der delikaten Behandlung dieser jungen Dame, und alle meine Tips haben sich wunderbar bewährt. Oh, und meine Salbe für die Wunde an seinem Fuß hat auch geholfen. Und zuhause ist es doch am besten.

Jetzt habe ich noch todesmutig einen Kakerlaken vor die Tür gesetzt (hoffentlich kommt der nicht aus lauter Dankbarkeit wieder) und gehe selbst schlafen. So könnte jeder Tag sein, friedlich und alle Entchen in Reichweite. Das würde Mama Ente gefallen.

Abikinder Mai 25, 2009, 18:41

Posted by Lila in Kibbutz, Kinder, Katzen, Muzika israelit.
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Mein Ältester (der heute neunzehn wird, mit dem ich nicht mal sprechen konnte, und sagt nichts zu dem Thema, sonst fange ich auf der Stelle an zu heulen!!!) hat sein Abi ja mit Nonchalance gemacht, und sein Bruder folgt ihm. Secundus ist jetzt in der 11 und Tertia in der 10, und da hier nur 12 Schuljahre sind, sammeln beide bereits Punkte fürs Abitur. Zentralabi wohlgememerkt.

Nun, Tertia spricht schon seit Wochen von den Vorbereitungsklausuren (die sie gut überstanden hat, eine sogar sehr gut) und hat sich auf die heutige echte Abiklausur in Mathe richtig gründlich vorbereitet. Y. und ich haben uns nur beeindruckt angeguckt, als sie mit gerunzelter Stirn zwischen Bergen von Büchern und Notizen verschwand. Ruhig jetzt, Eltern! Ja, ja, wir sagen ja nichts mehr.

Gestern abend unterhielt ich mich mit ein paar Kolleginnen. Am Zentrum für Hochbegabten-Erziehung arbeite ich ja witzigerweise mit lauter NaturwissenschaftlerInnen und Mathematikerinnen zusammen. (Die Mathematikerinnen sind Russinnen.) Eine der Mathematikerinnen unterrichtet auch an einer Schule in Haifa. Sie meinte, ach die Abiklausur morgen, wie viel Arbeit das jedes Jahr macht, so eine Abiklasse! Ja, ich meinte, meine Tertia schreibt ja morgen auch. Und sie fragte: hast du nicht auch einen Sohn in der 11? Die sind morgen auch dran.

Ach wirklich? Ich fragte ihn also beim Nachhausekommen: schreibst du morgen nicht eine Abiklausur in Mathe? Und sagte ganz wegwerfend, na und? Das ist doch nicht der Rede wert.

Wie können Kinder nur so unterschiedlich sein? Bei beiden ist es übrigens miserabel gelaufen. Tertia macht sich Vorwürfe, daß sie nicht den richtigen Stoff gelernt hat und überhaupt am falschen Ende angefangen hat. Secundus meint, die Lehrerin ist eine pustema und sie hat ihnen nie beigebracht, was in der Klausur drankam….

Ich warte mal auf die Noten, um Selbst- und Fremdeinschätzung zu überprüfen.

PS: Secundus schickt Musik.

Arkadi Duchin, Ein Zimmer für mich allein. (Video ist nicht, also einfach hören.)

Schade, Mai 24, 2009, 0:14

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daß ich nichts zum Mord an Hariri geschrieben habe. Denn sonst könnte ich jetzt sagen: ich wußte es doch. Obwohl ich es natürlich nicht wußte, es hätte auch Syrien gewesen sein können und es ist sowieso noch nicht ganz raus.

Wetten wir, daß trotzdem die meisten Libanesen und vermutlich auch Europäer glauben, Israel hat den Mann auf dem Gewissen? Denn Nasrallah behauptet es. Ja, er hat ganze wunderbare Theorien dazu.

Israel wanted to avenge “its humiliating withdrawal” from Southern Lebanon in 2000, Nasrallah said.

Ich wünschte, das würde größere Schlagzeilen machen, und Zeitungsleser würden endlich mal begreifen: wenn Feinde Israels wie Nasrallah lauthals Israel etwas in die Schuhe schieben wollen – dann besteht große Wahrscheinlichkeit, daß sie es selbst getan haben. Wenn ich hier mal so keck verallgemeinern darf.

Hier der Artikel im SPon:

Nach neuen Erkenntnissen waren es nicht Syrer, sondern Sondereinsatzkräfte der libanesischen Schiiten-Organisation Hisbollah (”Partei Gottes”), die den Anschlag geplant und durchgeführt haben.
Tribunal-Chef Bellemare und seine Richter wollen diese Erkenntnisse, die ihnen seit etwa einem Monat bekannt sind, offensichtlich zurückhalten.

Und da stellt sich doch die Frage: warum? Nun, warten wir´s ab.

Ernst ist das Leben, heiter die Kunst Mai 23, 2009, 23:35

Posted by Lila in Kunst.
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Meine Unterrichtsreihe über Gefühle in der Kunst ist fast zu Ende. Jede Stunde stand unter dem Zeichen eines anderen Gefühls: romantische Liebe, Lust, Eifersucht und Rivalität, fromme Gefühle, Angst und Schrecken, Hysterie und Hypochondrie – jedesmal habe ich versucht, die einzelnen Aspekte zu zeigen. So ist ein grundlegender Unterschied, ob ein Kunstwerk ein Gefühl zeigt oder auslöst oder beides. Manche Gefühle sind tabu, manche werden gern allegorisch gezeigt oder in Narrative verpackt, manche sind hochdramatisch und andere sind kaum zu entschlüsseln.

Die vorletzte Stunde ist dem Glück gewidmet. Natürlich ist es viel, viel schwerer, Glück in der Kunst zu verorten als Angst. Ich suche so herum, seit Wochen schon, und habe eine ganze Sammlung von Bildern und auch Skulpturen, die Glück ausstrahlen. Bilder von lachenden Leuten – damit fange ich an. Lachende oder lächelnde Gesichter in der Kunst sind oft ein bißchen irre, oder beschwipst, oder zynisch, oder melancholisch.

Liebende, ja, die sehen schon glücklicher aus, aber oft auch ein bißchen wistful (und die Kunst bevorzugt sowieso mehr oder weniger dramatische unglückliche Liebende, ob Dido oder Ariadne oder Mr and Mrs Clark). Ruhige, stabile Ehepaare, mit oder ohne Kinderschar, strahlen zwar auch Glück aus, aber es ist mehr von der unaufregenden, stillvergnügten Art.  Auch Kinder sehen oft glücklich und vertrauensvoll aus, aber der Betrachter weiß, daß Kinder sehr unglücklich sein können und das Vertrauen der Kindheit schnell und unwiderruflich verlorengeht… weswegen das Glück auf gemalten Kindergesichtern ein bißchen wehmütig stimmt. Na, mich zumindest.

Interessanterweise fand ich die glücklichsten Gesichter bei Menschen, die Musik machen. Das hab ich nicht erwartet, und ich habe keine Ahnung, was ich mit dieser rein subjektiven Erkenntnis anfangen kann.  Die Musik legt einen Schimmer von Glück über die Gesichter, der ansteckender wirkt als alles andere. Nur die Bilder von arbeitenden Menschen (denkenden Männern, stickenden oder klöppelnden Frauen) haben einen ähnlich versunkenen, still glücklichen Ausdruck.  Aber die Musik scheint noch etwas hinzuzufügen.

Nächste Woche, wenn die letzte Stunde dran ist, zeige ich Selbstporträts, und wir werden versuchen zu erkennen, welche Gefühle sich darin jeweils spiegeln. Nachdem ich die ganzen Wochen über säuberlich getrennt und aufgeteilt habe, was gar nicht zu trennen ist, werden wir dann die heiteren, zweifelnden, verschwiegenenmelancholischen und stets vieldeutigen Selbstporträts ansehen, in denen sich alles wieder mischt.

Für die Ehe lernen mit Y. Mai 23, 2009, 22:47

Posted by Lila in Presseschau.
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Ich erzähle ihm begeistert von einer wunderbaren Broschüre für Bräutigame, über die sich wohl einige Menschen gar erschröcklich aufgeregt haben.

An instructional brochure handed out to grooms-to-be by the Jerusalem Religious Council has infuriated many men, who found it to be extremely chauvinistic.

The brochure was distributed to future grooms, both religious and secular, as part of a compulsory class on marriage given at the council’s offices.

While it seems that the brochure aims to encourage husbands to respect their wives and help them with the household chores, some of the recommendations included are rather questionable.

“Don’t let a day go by without complimenting your wife at least five times… say it even if it’s a lie. A woman who hasn’t been complimented is like a fish out of the water,” the brochure reads.

The writers also recommend that the couple stays away from the women’s parents, because “mother-in-laws tend to meddle in a couple’s affairs and can ruin the relationship.”

Y. bedauert sofort, bei unserer Hochzeit vom Standesbeamten Königstein nicht solchermaßen instruiert worden zu sein. Wie viel Ärger hätte ihm das erspart! Jetzt weiß er auch, warum ich immer so mit den Kiemen schnappe, wenn das fünfte Kompliment des Tags mal ausbleibt.  Und daß er sich so gut mit meiner Mutter versteht (die er sogar Mama nennt), hat er nun endlich als potentielle Gefahr für unsere Ehe erkannt.

Doch dann wird es ihm zu verwirrend.

In another section, the leaflet argues that “the woman is like clay. The husband can shape and mold her as he pleases, because it’s in her nature to help the husband. All that’s needed is a kind word.”

But it later warns: The husband must not become “spineless”: “If she’s disrespectful you must not give in. You can get angry and stop talking to her until she realizes she was wrong.”

Y. findet diese Anweisung ungenau. Wie kann er seiner Fünf-Komplimente-Pflicht nachkommen, wenn er mich gerade durch Schweigen für eine Übertretung straft?  Denn bis ich mal einsehe, daß ich Unrecht habe, kann er lange schweigen.  Was sich da alles an (echten oder erlogenen…) Komplimenten ansammelt!

(Übrigens bin ich sehr scharf auf die Broschüre für Bräute. Bestimmt steht drin, wie man durch Freundlichkeit und wohldosierte Zuwendung den Mann manipuliert, ohne daß er es merkt, wie so schön in “My big fat Greek wedding” beschrieben. Sobald ich sowas antreffe, gebe ich es hier weiter, versprochen. Meine Leser sollen doch nicht unbedarft die Ehe eingehen.)

Fluglärm Mai 22, 2009, 10:39

Posted by Lila in Land und Leute.
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In den letzten Tagen war pausenlos Fluglärm in der Luft. Wir leben nicht sehr weit von einem kleinen Flughafen mit Basis der Luftwaffe entfernt und sind es gewöhnt, daß morgens schon mal eine Hercules träge über den Kibbuz brummt – vermutlich die erste Flugstunde des Tags. Aber in den letzten Tagen war es sehr viel. Flugzeuge, Hubschrauber, alle möglichen verschiedenen.

Außerdem liefen oft Soldaten rum, in großen Gruppen.  Ein Bus spuckte auf der Straße unter dem Kibbuz, genau hinter meinem Haus, eine Gruppe junger Infanteristen aus. Ich kriegte a sofort den Drang, den Kindern Kuchen in die Hand zu drücken, aber man tut es dann doch nicht. Schade, ich hatte gerade drei Bleche Apfelkuchen, die hätte ich ihnen gern gegeben, warum nur hat Y. mich davon abgehalten? Sie sahen müde aus und trotteten mit Karten und Kompaß und riesigen Rucksäcken ab in Richtung Wald. Unsere relativ unbebaute Gegend ist für Orientierungs-Übungen ja sehr beliebt, aber diesmal waren auch Schußwechsel und Leuchtmunition im Einsatz. Wir haben extra vorher Briefe gekriegt, daß wir uns nicht erschrecken sollen. Aber wir erschrecken sowieso nicht, denn auch eine andere Basis ist hier in der Nähe, und wir hören manchmal ganz leise die Schießübungen.

Ich weiß nicht, ob das schon Teil der angekündigten großen Übung Ende des Monats ist, oder ob es Zufall war. Nasrallah jedefalls hat schon geklagt, daß Israel mit dieser großangelegeten Übung seinen Kriegswillen unter Beweis stellt. Ach, Onkel Hassan, Du bist gerade der Richtige, sich zu beschweren.  Dir und deinen iranischen Freunden haben wir doch zu verdanken, daß wir aus unserem Schläfchen erwacht sind. Wir dachten doch tatsächlich, als Olmert PM wurde, daß wir uns jetzt mal mit anderen Projekten beschäftigen könnten. Aber mit einem netten Nachbarn wie dir ist es wohl besser, ein bißchen wachsam zu sein. Keine Sorge, wir greifen nicht an, wenn wir nicht vorher über lange Zeit hinweg angegriffen werden.

Aber wenn das nächste Mal eine Gruppe in Uniform bei uns hinter dem Haus entlangtrappt, dann kriegen sie von mir was Süßes, auch wenn nicht St. Martin ist und alle sich für mich schämen.  Jawohl.

(Laut Medien ist die Übung der Luftwaffe vorbei,  eine Übung des Heimatschutzes steht bevor, und daß die Infanteristen hier rumlaufen, gehört wohl zu ihrer üblichen Ausbildung – sie übernachten hier auch oft, weil wir Platz genug haben für anspruchslose Gruppen….)

Wenn der Tag damit beginnt, Mai 21, 2009, 5:57

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daß ich mir Buttermilch in den Kaffee kippe und mich wundere, daß sie gerinnt, weiß ich – Semesterende ist nah.

In die Ecke gestellt Mai 20, 2009, 20:51

Posted by Lila in Land und Leute, Presseschau.
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Und wieder eine Boykottiert-Israel-Geschichte. Diesmal nicht aus den Niederungen der Supermarktwelt, sondern aus einem Milieu, dem man vielleicht anderes zugetraut hätte.

In Edinburgh findet ein Film-Festival statt. Da würde eine junge israelische Regisseurin gern hinfahren. Sie hat aber kein Geld dafür. Deswegen will die israelische Botschaft einspringen und bietet der Festival-Leitung an, die Kosten für ihre Reise zu übernehmen. (Warum das überhaupt per Festival-Leitung gehen muß – keine Ahnung.) (Und warum Haaretz erwähnen muß, daß der Film mit Politik nichts am Hut ist, weiß ich ebenfalls nicht.) (Aber die vielen Klammern muß ich mir unbedingt wieder abgewöhnen!!!)

Als der Regisseur Ken Loach hörte, daß er bei einem Festival dieselbe Luft einatmen muß, die auch durch die Lungen einer jungen Israelin gezogen ist, platzte ihm der Kragen, und er rief die Festivalbesucher zum Boykott auf. Wo man israelische Filme sieht und israelische Regisseure willkommen heißt, da glaubt man am Ende noch, daß Israelis ganz normale Menschen mit Träumen, Plänen und Gefühlen sind, ja kreativ geradezu! Nein nein, das würde den Kampf des palästinensischen Volks zunichtemachen. Das erfinde ich? Das erfinde ich leider kein bißchen.

“The massacres and state terrorism in Gaza make this money unacceptable,” the Times quoted Loach as saying. “With regret, I must urge all who might consider visiting the festival to show their support for the Palestinian nation and stay away.”

So also sieht aktive Unterstützung für die palästinensische Nation aus: eine junge israelische Regisseurin boykottieren. Die hat das ganze Massaker ja zu verantworten. Sie soll sich nur schämen!

Und was tut die Festivalleitung? Sagt sie etwa: lieber Herr Loach, was bitte hat das eine mit dem anderen zu tun? und läßt die junge Frau teilnehmen? Aber nein, so weit geht die künstlerische Freiheit denn doch nicht, daß Israeli-Sein mit inbegriffen ist.

In a statement, festival representatives said that Loach spoke “on behalf of the film community, [and] therefore we will be returning the funding issued by the Israeli Embassy,” the Times reported.

Ja, und die Tali Shalom-Ezer (wie kann man bloß SHALOM heißen! wenn man doch so kriegslüstern ist!), die kann zuhause bleiben und sich den Mund wischen. Edinburgh bleibt Israeli-rein.

Selten hat ein europäischer Israel-Hasser so deutlich ausgesprochen, daß die De-Humanisierung und Dämonisierung und Exklusion Israels den Zwecken der Palästinenser dient, daß das ihre Instrumente sind. Und daß sich in unter Kulturschaffenden kein Protest gegen ein solches Vorgehen regt, ist erschreckend, zeigt aber nur, wie weit diese De-Humanisierung bereits gelungen ist. Ein kleiner Trost, daß jemand von der Festivalleitung Tali privat hilft, doch noch nach Edinburgh zu fliegen.

Und auf der Haaretz-Seite finden sich gleich noch Links zu ähnlichen Geschichten:

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Heavily Jewish Brooklyn food co-op mulls ban on Israel produce

Ich weiß kein anderes Land, daß so systematisch und in allen Gebieten boykottiert und kaltgestellt wird. Mit welcher Leichtigkeit das geht, und wie der Rest der Welt darüber wegsieht oder glaubt, wir haben es ja selbst nicht anders gewollt mit dieser Gegenwehr… das finde ich erschreckend. Israelische Wissenschaftler, Studenten, Filmemacher, Tennisspieler, Ärzte , Geschäftsleute, Musiker  – potentielle Zielscheibe von jedem Jeck, der seinem Unmut über den Nahen Osten mit Boykottrufen Luft machen will.

Wo bleibt der öffentliche Protest gegen Ken Loach und seine brutale Kaltstellung einer jungen Künstlerin, nur weil ihm ihre Staatsangehörigkeit nicht gefällt?

In den Kommentaren finde ich eine Hilfestellung für den Protest:

The best way to respond to this nonsense is to express disagreement with the businesses who provide major funding for the Edinburgh Film Festival, including NEC and Kodak. A complete list of sponsors is at the film festival`s website:
http://www.edfilmfest.org.uk/support-us/honour-board
Go to their websites, get their address, and write to their head of marketing, expressing disagreement with the film festival`s actions and surprise that such companies would want to be part of such censorship.